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Chessy

4. Internationales Jugendschachtreffen 2004

Länderkampf U18 Deutschland - Tschechien
am 24. und 25. März 2004 in der Pulvermühle

Infos, Berichte, Ergebnisse und Partien


Im Rahmen des vierten Trainingscamps der deutschen U18-Nationalmannschaft in der Pulvermühle kam es zu einem Länderkampf mit Tschechien. Nachdem wir in den vergangenen Jahren jeweils Holland zu Gast hatten, war diesmal unser östlicher Nachbar eingeladen. Haupttrainer GM Lubomir Ftacnik nahm die Farbauslosung vor. Diese ergab für Tschechien Weiß an den Brettern 1, 3 und 5. Damit kam es am Mittwoch, dem 24.03.2004 zu folgenden Aufstellungen:
    Tschechien       - Deutschland           Ergebnis

  1 Laznicka, Viktor - Braun, Arik            0 - 1
  2 Bernasek, Jan    - Bindrich, Falko        1 - 0
  3 Kanovsky, David  - Meinhardt, Maximilian  0 - 1
  4 Cifka, Stanislav - Heinz, Axel            0 - 1
  5 Priborsky, Jan   - Feuerstack, Aljoscha   0 - 1
  6 Priborsky, Ivo   - Siebarth, Raiko        1 - 0 

Gespielt wird eine klassische Bedenkzeit: zwei Stunden für 40 Züge und eine Stunde für den Rest der Partie. Unsere Gäste weisen einen leicht höheren ELO-Schnitt auf und sind damit Favorit. Dies hat zwei Ursachen. Zum einen ist die deutsche Mannschaft im Schnitt ein Jahr jünger als die tschechische und zum anderen fehlten mit David Baramidze und Georg Meier zwei starke Spieler. Trotzdem hoffe ich, dass wir durch Kampfgeist und mit ein wenig Glück das Gleichgewicht halten und eventuell sogar einen Sieg einfahren können.

Der Beginn des Kampfes entwickelt sich vielversprechend. Falko Bindrich kann seinen Gegner Jan Bernasek in einer wohlbekannten Stellung des Paulsen-Sizilianers unter Druck setzen. Überhaupt steht diese scharfe Eröffnung an drei Brettern (1,2,5) zur Diskussion. Axel Heinz versucht als Weißer die französische Tarrasch-Verteidigung zu knacken. Maximilian Meinhardt spielt eine ruhige Variante im Nimzowitsch-Franzosen und Raiko Siebarth muss sich mit Rauser-Sizilianisch auseinandersetzen.

Nach einer halben Stunde kommt es bereits zur ersten Krise. Falko Bindrich folgt einer Empfehlung von Sergej Tiviakov und opfert eine Figur auf b5. Relativ untypisch ist die entstehende Materialverteilung. Weiß spielt mit Turm und zwei Bauern gegen zwei Figuren. Leider übt jedoch die schwarze Dame einen gewaltigen Druck auf die weiße Königsstellung aus. Ich würde Schwarz vorziehen! An den übrigen Brettern hat sich nicht viel getan. Axel Heinz hat einen leichten Bedenkzeitvorteil aufzuweisen. Maximilian steht passiv und muss sicher im weiteren Verlauf einige Initiative seines Kontrahenten aushalten. Arik Braun ist über den Paulsen-Umweg im Scheweninger gelandet und hat nichts auszustehen. Während dessen gelangte Aljoscha Feuerstack über den Paulsen-Umweg zum Najdorf. Aus diesem Grund ist Sizilianisch sehr modern und beliebt. Viele Übergänge sind möglich und erfordern teils drastisches Umdenken!

Nach zwei gespielten Stunden haben die meisten Spieler ihren Rhythmus gefunden und überlegen lange. An einigen Brettern droht eine heftige Zeitnotschlacht. An Brett 1 warf der tschechische IM Victor Laznicka seine Königsflügelbauern nach vorn und bedrängt Ariks Monarchen. Hoffentlich bewahrt dieser kühlen Kopf und nutzt die vorhandenen Konterchancen. Aljoscha Feuerstack bringt ein typisches sizilianisches Qualitätsopfer auf c3 und zertrümmert die weiße Stellung vollständig. Vielleicht die Führung für uns?

Plötzlich brennt es an vielen Brettern. Maximilian Meinhardt hat aus seiner Stellung ein schönes Gegenspiel über die offene c-Linie herausgekitzelt. Axel kann mit einem Zug die Stellung gewinnen und Arik`s Gegner kombiniert wie wild. Jan Priborsky lehnt Aljoscha`s Qualitätsopfer ab und landet in einer trostlosen Verluststellung.

Nach 3,5 Stunden bringt uns Axel Heinz mit 1:0 in Führung. Mittlerweile hat sich Falko`s Kontrahent Jan Bernasek konsolidiert und strebt einen Endspielsieg an. Völlig ausgeglichen ist die Lage weiterhin an Brett 6 zwischen Ivo Priborsky und Raiko Siebarth. In der Zeitnot geht es Schlag auf Schlag. Aljoscha, Arik und Maximilian bringen uns mit 4: 0 in Führung. Ein Kantersieg winkt.

Leider sieht es an den beiden verbliebenen Brettern nicht sehr gut aus. Ivo Priborsky gewinnt mit einer „kleinen Kombination“ einen Bauern und bald darauf die Partie. Nach 5 Stunden muss auch Falko die Segel streichen. Trotzdem haben wir einen soliden 4: 2 Sieg im Hinspiel eingefahren.

Bernd Vökler
BNT


Am heutigen Donnerstag steht das Rückspiel auf dem Plan. Wir haben an den Brettern 1,3 und 5 Weiß. Es kommt zu folgenden Aufstellungen:
    Deutschland           - Tschechien	       Ergebnis

  1 Braun, Arik           - Laznicka, Victor	remis
  2 Bindrich, Falko       - Bernasek, Jan	remis
  3 Meinhardt, Maximilian - Kanovsky, David	0 - 1
  4 Heinz, Axel           - Cifka, Stanislav	0 - 1
  5 Feuerstack, Aljoscha  - Priborsky, Jan	0 - 1
  6 Siebarth, Raiko       - Priborsky, Ivo	0 - 1

Nach einer guten Stunde plätschert der Kampf noch müde dahin. Die Kontrahenten belauern sich in gut bekannten Eröffnungsstellungen. Maximilian zündet die erste Rakete. Mit einem doppelten Bauernopfer strebt er nach Linienöffnung gegen den König. Ich halte die schwarze Stellung jedoch für sehr solide und fest.

Axel Heinz und sein Gegner Stanislav Cifka haben nach nur 9 Zügen bereits jeweils eine Stunde verbraucht. Dies erscheint etwas zuviel! Am sechsten Brett muss sich Raiko Siebarth eines heftigen Angriffs erwehren. Bei entgegengesetzten Rochaden gewinnt meist der schnellere Angreifer. Dies könnte Ivo Priborsky sein.

Falko Bindrich gleicht mühelos aus und schaut sehr zufrieden. Aljoscha Feuerstack folgt einer Lanka-Empfehlung, von deren Güte sich bereits Leonid Kritz bei der letztjährigen EM überzeugen konnte. Es entsteht eine superscharfe Position im Sveshnikov-System.

Arik versucht eine Minisprengung mit c4. Die Stellung sollte jedoch ausgeglichen sein. Bei Maximilian haben sich meine düsteren Vorahnungen bestätigt. David Kanovsky besitzt zwei gesunde Mehrbauern, die den Tag entscheiden werden. Kritisch sieht die Lage ebenfalls bei Aljoscha aus. Offensichtlich hat er beim Lanka-Training nicht genug gelernt, um diese Stellung spielen zu können.

Nach 3,5 Stunden führen die Tschechen mit 1:0. Raiko Siebarth unterliegt der Mattattacke von Ivo Priborsky. Falko beendet die Partie durch ein Remisangebot, dass akzeptiert wird. Leider muss Maximilian nach einem kraftvollen Damenopfer forciert aufgeben. Der Rückstand wächst! In der dramatischen Zeitnotschlacht verlieren Axel und Aljoscha völlig die Übersicht und machen nach dem Remis von Arik an Brett 1 den Endstand von 1 : 5 perfekt.

Damit verlieren wir den gesamten Länderkampf mit 5 : 7. Das beste Ergebnis der Deutschen erzielte Arik Braun mit 1,5 Punkten. Ivo Priborsky erzielte 2 Punkte.

Bernd Vökler

Es werden die Partien im PGN-Format mit ECO-Schlüssel zum Download bereitgestellt.

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© 1.98 by Gerhard Hund (TeleSchach) für die DSJ in der Deutschen Sportjugend | Update 25.03.2004