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Chessy

DSJ - FORUM
Ausgabe 2001 - 02


Schulschach in Deutschland, Folge 2

Schulschachmeisterschaften im Jahre 2001
von Eckhard Lüers

Die Problematik der alljährlich am zweiten Mai-Wochenende stattfindenden Schulschach- Bundesfinals stellt sich je nach der Perspektive, aus der man das Geschehen betrachtet, unterschiedlich dar.

Schulen und Betreuer konzentrieren sich im Laufe der zunächst in den einzelnen Bundesländern organisierten Schulschachwettkämpfe zunächst sinnvoller Weise vorrangig darauf, auf der jeweiligen Landesebene über die einzelnen Qualifikationsebenen so weit wie möglich zu kommen. Für viele Sieger und Platzierte stellt sich die Frage, ob es dann, wenn das große Ziel erreicht oder ggf. auch knapp verpasst ist, vielleicht auch noch weiter geht, im Grunde erst an dem Tage des jeweiligen Landesfinales, und allein die Perspektive, zu einem etwaigen Bundesfinale womöglich mehr als 500 Kilometer anreisen zu müssen, ohne gleichzeitig auf eine entsprechende Kostenerstattung vertrauen zu dürfen, stellt viele Mannschaften, Betreuer und Schulen notwendig vor Probleme, die kaum über Nacht gelöst werden können.

Landesschulschachreferenten, die für die Meldungen ihres Bundeslandes zu den einzelnen Bundesfinals verantwortlich zeichnen, können derartige Gewissensnöte zwar sicherlich nachvollziehen, sind aber ihrerseits an durch den offiziellen Meldeschluss festgelegte Fristen gebunden. Dieses sorgt vor allem dann für oft unüberwindbar erscheinende Schwierigkeiten, wenn das jeweilige Landesfinale erst unmittelbar vor dem eigentlichen Meldeschluss stattfindet, dort ermittelte Sieger aus den bereits eingangs geschilderten Gründen heraus nicht an Ort und Stelle eine endgültige Entscheidung, Teilnahme oder Nichtteilnahme betreffend, fällen wollen und der Meldeschluss dennoch nah und näher rückt.

Ausrichter schließlich, die für das von ihnen auszurichtende Bundesfinale oft bereits ein Jahr zuvor ganze Jugendherbergen und Jugendgästehäuser für Schulschach-Zwecke reserviert und im Regelfall entsprechende Garantieverträge, die ein erhebliches finanzielles Risiko in sich bergen, unterzeichnet haben, haben verständlicher Weise vorrangig nur im Auge, dass zum ursprünglich vereinbarten Termin aus allen am Wettbewerb teilnehmenden Bundesländern jeweils eine Mannschaft erscheint. Darüber hinaus sind Ausrichter notwendiger Weise ebenfalls daran interessiert, die Namen der jeweils qualifizierten Mannschaften möglichst früh zu erfahren, um der Turnierleitung vor Ort die Arbeit zu erleichtern. Dabei sollte man, um die Dimension dieses Problems angemessen zu beleuchten, nicht unerwähnt lassen, dass es über das Schuljahr hinweg kaum vier Wochen gibt, an denen Schülerinnen und Schüler aller Bundesländer gleichzeitig die Schule besuchen; diese Tage oder gar Wochen ausfindig zu machen, stellt sich aber unter Berücksichtigung der flexiblen Ferientermine, die in den einzelnen Bundesländern gelten, mitunter ähnlich kompliziert dar wie die Suche nach der Nadel im sprichwörtlichen Heuhaufen.

Aus diesen Vorüberlegungen mag man erkennen, dass der Schulschachreferent (DSJ) auch dann, wenn alle Beteiligten optimal zusammenarbeiten, nicht nur im Hinblick auf diesen Teil seiner Arbeit kaum zu beneiden ist, wenn es im Endeffekt in diesen Tagen, Wochen und Monaten darum geht, die individuellen Vorstellungen der beteiligten Schulen, ihrer Betreuer, der Landesschulschachreferenten und der Ausrichter gleichermaßen zu berücksichtigen und allen Interessen soweit als möglich entgegen zu kommen. Bei Lichte betrachtet, ist es oft geradezu ein Wunder, dass in den zurückliegenden Jahren trotz aller greifbaren Probleme vor Ort dennoch fast alle Kalamitäten zu lösen waren; dennoch hat nicht zuletzt das Schulschach- Bundesfinale der Wettkampfgruppe M im vergangenen Jahr im bayrischen Wurmannsquick gezeigt, dass Wunder auf dieser Welt auch nur eine begrenzte Laufzeit haben und Schwierigkeiten sich auch dann, wenn alle Beteiligten gut zusammenarbeiten, nicht immer in Luft auflösen.

In der Konsequenz der Entwicklung des vergangenen Jahres haben sich die Schulschachreferenten der einzelnen Länder auf ihrer Arbeitstagung in Erfurt im Grundsatz darauf verständigt, die Ausgangsposition der Ausrichter der Bundesfinals, die letztendlich bislang mit nahezu nicht zu kalkulierendem Risiko planen mussten, zu stärken. Insofern gilt ab dem Kalenderjahr 2001, dass alle Landesschulschachreferenten mir jeweils bis spätestens Ende März rückmelden müssen, inwieweit eine Mannschaft aus ihrem jeweiligen "Beritt" am Bundesfinale am zweiten Mai-Wochenende teilnehmen wird.

Dieses bedeutet für die Ausrichter, dass sie im Regelfall bereits sechs Wochen vor Toresschluss wissen, aus welchem Bundesland sie Teilnehmer zu erwarten haben; sofern im Einzelfall nicht gemeldet wird, kann ich nach Rücksprache mit anderen Landesschulschachreferenten und in enger Abstimmung mit dem jeweiligen Ausrichter Freiplätze bewilligen. - Umgekehrt ist der "schwarze Peter", wenn man so will, nun bei den Landesverbänden bzw. den Schulschachreferenten angelangt; immer dann, wenn eine verbindliche Meldung abgegeben wurde und eine gemeldete Mann-chaft nichtsdestotrotz in letzter Minute zurückzieht, wird sich der Landesverband mit möglichen Regressforderungen konfrontiert sehen.

Damit es dazu gar nicht erst kommt, ist, denke ich, eine rechtzeitige Absprache und Zusammenarbeit aller Beteiligten notwendig und sinnvoll:

Schulen und Betreuer sollten sich bereits im Vorfeld ihres jeweiligen Landesentscheids darüber Gedanken machen, ob sie in dem Falle eines eventuellen siegreichen Abschneidens auf der höheren Ebene antreten wollen. Alle Landesschulschachreferenten sind, was die Terminierung der einzelnen Bundesfinals betrifft, bereits im vorigen Jahr mit entsprechenden Detailinformationen versorgt worden und stehen allen Ratsuchenden auf Landesebene sicherlich ggf. mit Rat und Tat zur Verfügung. Die Ausrichter haben sich verpflichtet, mir spätestens bis Ende Februar alle aktualisierten Ausschreibungen, aus denen auch die von den teilnehmenden Mannschaften zu entrichtenden Teilnehmergebühren hervorgehen, zu schicken; spätestens in der ersten Märzwoche haben alle Landesschulschachreferenten Kopien dieser Ausschreibungen in Händen.

Last but not least nachfolgend eine Übersicht über alle diesjährigen Schulschach-Bundesfinals, die unisono um das zweite Mai-Wochenende, also in der Zeit vom 11.-13. Mai stattfinden:

Bei allen eventuell notwendigen Rückmeldungen, die auf der Basis dieses Artikels erforderlich scheinen, wäre ich allen Beteiligten dankbar, wenn zunächst alle Bemühungen darauf ausgerichtet sind, innerhalb des Landesverbandes mit den jeweils Verantwortlichen eine Klärung zu erzielen. Selbstverständlich stehe ich aber immer dann, wenn derartige Versuche eher erfolglos bleiben, allen Beteiligten nahezu rund um die Uhr telefonisch für eine Rücksprache zur Verfügung und möchte abschließend meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass auch die diesjährigen Bundesfinals, über welche in der Mai-Ausgabe des "JugendSchachs" aktuell zu berichten sein wird, ungeachtet der auch in diesem Jahr kaum zu vermeidenden organisatorischen Probleme erfolgreich verlaufen werden.


Schach in Schulen

Offizielles Lehrmaterial des Schachbundes NRW
Ordner "Schach in Schulen"

Das offizielle Lehrwerk "Schach in Schulen" als erster Band der "Materialien des Schachbund NRW e.V." ist erschienen.

Aus der 1989 zum ersten Mal erstellten dreiteiligen Arbeitshilfe, hat sich ein völlig überarbeitetes Lehrwerk entwickelt. Übungsleiter, B-Trainer und Lehrer haben das umfangreiche Unterrichtsmaterial gesichtet, bearbeitet und systematisch zu einem Standard-Lehrwerk zusammengestellt.

Kernstück des DIN-A4-Ordners sind die Unterrichtseinheiten zum Bauern- und Springerdiplom, die die Schülermaterialien einbeziehen. In vier Kapiteln werden die Themen:

ausführlich und in optisch ansprechender Qualität behandelt.

Die weiterführenden Unterrichtsentwürfe zum Läufer- und Turmdiplom (Ergänzungslieferung Frühjahr 2001) vervollständigen den Ordner zu einem kompletten Lehrwerk.

Der Ordner wird zum Preis von DM 44,50 (zzgl. Versandkosten) ausgeliefert. Info und Bestellung:
Schachbund NRW, Friedrich-Alfred-Str. 25, 47055 Duisburg,
Tel. 0203/7381674, Fax0203/7381676, schachbund.nrw@t-online.de

(Rainer Niermann)


Jugendversammlung der DSJ - Ruhe vor dem Sturm?

Mit einem Paukenschlag endete am Sonntag die Jugendversammlung der Deutschen Schachjugend in Münster vom 03.-04.03.2001. Die Versammlung wählte den amtierenden Referenten für Mädchenschach nach vier Jahren Mitgliedschaft im Vorstand ab, nachdem man ihn am Sonntag noch einstimmig (!) entlastet hatte und damit signalisiert hatte, dass man mit seiner Arbeit zufrieden ist! Natürlich hatte man keinen Gegenkandidaten und so ist das Amt derzeit in der DSJ verweist!? Nur wenige Minuten später stimmte man dem Antrag des Arbeitskreises Spielbetrieb mit großer Mehrheit zu, die Anzahl der teilnehmenden Mannschaften bei der DVM U20 weiblich zu begrenzen, da ja 2000 nur 9 Mannschaften teilgenommen hatten. Beim Schulschach nahm man es dann genauer: Da stemmte man sich gegen die Verkürzung um bis zu drei Jahrgänge bei der Wettkampfgruppe Mädchen, weil man ja das Mädchenschach fördern wolle (ohne Mädchenreferent?!). Versteht das einer? Es fällt schwer, denn mit Logik ist es nicht sofort zu erklären.

Ansonsten beherrschte eine überraschende Ruhe (nach den letzten Versammlungen... ) die Jugendversammlung. Die Ruhe vor dem Sturm? Einstimmige Genehmigung der Jahresabrechnung der DSJ, des Etats 2001, einstimmige Entlastung des Vorstandes, fast einstimmige Wahlen zum Vorstand. Michael Juhnke (1. Vorsitzender) und Patrick Wiebe (2. Vorsitzender) müssen eigentlich zufrieden sein. Und tatsächlich ist wieder eine Atmosphäre der gemeinsamen Arbeit für das Jugendschach im Vorstand eingetreten, nachdem man sich lange mit sich selbst beschäftigt hatte und fast vergaß, für wen man zuständig ist. Neu in den Vorstand gewählt wurden Michael Klein (Rheinland-Pfalz) als Referent für Öffentlichkeitsarbeit und die beiden neuen Jugendsprecher Eike Schwede (Bremen) und Thorsten Haber (Niedersachsen). Jan Pohl und Helmut Schumacher hingegen bleiben im Vorstand, bekamen aber neue Aufgaben übertragen. Helmut Schumacher übernimmt das verweiste Referentenamt für Mitarbeiterqualifikation und Jan Pohl das Referentenamt für Allgemeine Jugendarbeit.

Im Mittelpunkt des Samstages stand der Arbeitsschwerpunkt "Schulschach". Verschiedene Vertreter unterschiedlicher Meinungsbildner im Schulschach referierten über ihre Arbeit.

Kurt Lellinger von der Schulschachstiftung stellte in seinem Referat die Verbindung zwischen Schach und Schule her. Für ihn ist bedeutend, dass mit Schach die allgemeine Bildung der Schüler verbessert wird. Über Schach läßt sich das räumliche Denken erlernen, über das räumliche Denken läßt sich Schach erlernen. Für ihn steht eindeutig nicht der Leistungsgedanke des Schachs im Vordergrund sondern vielmehr der pädagogische Aspekt des Schachspieles.

Ganz andere Positionen wurden von dem Schachtrainer Babak Sohraby und Christian Goldschmidt vertreten, die von dem erfolgreichen Schulschachprojekt in Dortmund berichteten, aus dem auch besonders interessante und gut aufbereitete Arbeits- und Trainingsmaterialien für den Schulschach - und Jugendbereich entstanden sind. Babak Sohraby zeigte auf, dass mit Schachtraining in Deutschland sehr wohl Geld zu verdienen ist, denn die Eltern erkennen die Bedeutung des Schachtrainings für die allgemeine Entwicklung der Kinder sehr wohl, wenn es fachmännisch rübergebracht wird. Christian Goldschmidt beschrieb, wie auch in einem kleinen Einzugsgebiet (30.000 Bewohner) an verschiedenen Schulen mit Engagement Schach zahlreich den Schülern nahe gebracht werden kann, wenn man den richtigen Zugang mit den richtigen Trainingsmaterialien berücksichtigt. Aus der Schulschacharbeit in Dortmund entwickelte sich unterdessen eine Dortmunder Schachschule, die von der Stadtsparkasse mit beachtlichen Beträgen unterstützt wird. Für viele Zuhörer ein Grund, warum es bei ihnen nicht klappen kann. Aber gerade da steckt ein großer Fehler. Man muss es versuchen, vermeintliche Armutsgrenzen sind ein gern gesehener Ausschlussgrund, der in Wirklichkeit aber nicht existiert. Nur wer Versuche unternimmt, kann entscheiden, ob es klappt!

André van de Velde brachte die Diskussion dann zu der Frage, warum und mit welchem Ziel macht man Schulschach. Leider wurde die Diskussion zu kurz geführt, so dass sie zu einem späterem Zweitpunkt hoffentlich nachgeholt wird, denn sehr unterschiedliche Meinungen zu den Zielstellungen bestehen in der Schachorganisation, wenn vom Schulschach die Rede ist. Will man aber erfolgreich Schulschach verbreiten, muss man wissen, was man will und muss man sich geeinigt haben, über was man spricht. Das kam leider bei dem interessanten Samstagnachmittag zu kurz.

Leider musste man sich auf der Jugendversammlung auch von einigen lieb gewonnenen Schachfreunden verabschieden. Da waren zum Einen die Vorstandsmitglieder Franziska Seel (die als Jugendsprecherin zurücktrat) und Christian Warneke (der erfolgreich den Bereich Öffentlichkeit vorangetrieben hatte), da war aber vor allem auch Siegfried Schmid, der langjährige Vorsitzende der Bayerischen Schachjugend, der mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet und verabschiedet wurde. Er hat deutliche Spuren durch eine sachliche und inhaltliche Arbeit in der DSJ hinterlassen!

Verabschieden muss sich die DSJ leider auch vom DSB-Präsidenten Egon Ditt, der in diesem Jahr nicht mehr für das Präsidentenamt kandidiert (die Nachfolgediskussion ist hier ausführlich dokumentiert worden). Warum der Verlust für die DSJ schmerzhaft ist, wurde der Versammlung deutlich, als Egon Ditt in seinem Referat zur Situation des DSB noch einmal verdeutlichte, welche Rolle er der Deutschen Schachjugend in den letzten 10 Jahren zugedacht hatte:

Hoffen wir, dass das nächste Präsidium des DSB mit Alfred Schlya an der Spitze eine ähnliche positive Einstellung zur Schachjugend hat! Insgesamt bleibt die Jugendversammlung Münster 2000 in positiver Erinnerung, auch aufgrund der guten Organisation durch die Schachjugend NRW!

(Jörg Schulz)


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Das DSJ-FORUM ist das Informationsblatt der Deutschen Schachjugend. Es erscheint 10 mal im Jahr als Beilage der Zeitung JUGENDSCHACH.
DSJ-FORUM wird gefördert aus Bundesmitteln des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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© 1.98 by Gerhard Hund (TeleSchach) für die DSJ in der Deutschen Sportjugend | Update 18.11.2001