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Schulschach in Deutschland, Folge 3Der Deutsche Schulschachmannschaftswettbewerb (DSM)
von Eckhard LüersWie bereits mein im Vormonat publizierter Artikel über die Deutschen Schulschachmeisterschaften im Grundsatz zeigen konnte, ist es gerade im Schulschachbereich oft geradezu notwendig, sich verschiedene Perspektiven zueigen zu machen, um über ein Problem angemessen sprechen und diskutieren zu können.
Nicht anders ist es bei dem Deutschen Schulschachmannschaftswettbewerb, der seit vielen Jahren von der Deutschen Schachjugend (DSJ) ausgerichtet wird und dessen Grundzüge im Paragraph 22 der Jugendspielordnung beschrieben sind.
Im einzelnen heißt es hier wie folgt.
22.1. Der DSM wird jährlich in fünf Wettkampfklassen (WK) ausgetragen. Teilnahmeberechtigt sind allgemein- und berufsbildende Schulen außer Institutionen, die überwiegend der Erwachsenenbildung dienen.
Spielberechtigt sind:
- für die WK 2 alle Schülerinnen und Schüler, die zu Beginn des betreffenden Kalenderjahres das 17. Lebensjahr noch nicht vollendet haben,
- für die WK 3 alle Schülerinnen und Schüler, die zu Beginn des betreffenden Kalenderjahres das 15. Lebensjahr noch nicht vollendet haben,
- für die WK 4 alle Schülerinnen und Schüler, die zu Beginn des betreffenden Kalenderjahres das 13. Lebensjahr noch nicht vollendet haben,
- für die WK M alle Schülerinnen und Abgängerinnen des laufenden Schuljahrs, die zu Beginn des Kalenderjahres, in dem der Wettbewerb stattfindet, das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, und
- für die WK G alle Schülerinnen und Schüler, die die Klassen 1-4- besuchen.
22.2. Jeder Landesverband entsendet je eine Mannschaft, in der WK G zwei Mannschaften, die aus vier Schülern derselben Schule besteht. Der Ausrichter erhält einen Freiplatz. Bei der WK G wird ein größeres Feld (Open-Charakter) angestrebt. Der Referent für Schulschach besetzt ggf. weitere freie Plätze.
22.3. Es wird eine Fahrtkostenspitzenabdeckung auf Grundlage des Haushaltsvoranschlages durchgeführt. Zugrunde zu legen ist der Bundesbahntarif 2. Klasse unter Ausnutzung sämtlicher Vergünstigungen. Maßgebend für die Fahrtkosten ist der Ort der Schule. Abrechnungsfähig sind die Kosten der tatsächlich angereisten Stammspieler und des Begleiters. Das zuständige Mitglied des Arbeitskreises Schulschach kann in der Ausschreibung hiervon abweichende Richtlinien festsetzen.
22.4. Die Spielberechtigung gemäß §§ 22.1. und 22.2. ist von den jeweiligen Schulleitungen schriftlich zu bestätigen.
22.5. Die Landesverbandssieger spielen in jeder Wettkampfklasse ein Turnier nach Schweizer System mit sieben Runden, in der WK G im Regelfall mit neun Runden.
22.6. Die Bedenkzeit beträgt eine Stunde pro Spieler für die gesamte Partie, in der WG G 30 Minuten pro Spieler. Es wird nach den Schnellschachregeln der FIDE gespielt.
22.7. Der Sieger in jeder Wettkampfklasse erhält den Titel "Sieger des Deutschen Schulschach-Mannschaftswettbewerbs der Wettkampfklasse 2 (bzw. 3, 4, M und G)".
Wie auch die Diskussionen auf den alljährlichen Jugendversammlungen der Deutschen Schachjugend zeigen, glauben nicht nur Schachfunktionäre, mit dieser inhaltlichen Vorgabe unzweideutig bestimmt zu haben, worum es bei dem Deutschen Schulschach- Mannschaftswettbewerb de facto geht: In einem direkten Aufeinandertreffen der besten Schulschachmannschaften der einzelnen Bundesländer werden in fünf voneinander getrennten Wettkampfklassen die jeweiligen Sieger, sozusagen also die Deutschen Schulschachmeister gekürt.
Insofern geht es auf derartigen Versammlungen oder auch den Sitzungen des Arbeitskreises Schulschach, der sich im übrigen personell aus den Landesschulschachreferenten zusammensetzt und im Regelfall einmal pro Jahr tagt, vorwiegend um eher spieltechnische Fragen:
- Auf der diesjährigen DSJ-Jugendversammlung in Münster diskutierten die Delegierten vorwiegend die Frage, ob die WK M an das Altersstichdatum der WK 2 angeglichen werden soll; nach längerer Debatte fand ein entsprechen-der Antrag des Arbeitskreises Schulschach nicht die erforderliche Mehrheit, insofern bleibt auch im kommenden Schuljahr zunächst alles beim alten.
- Trefflich streiten lässt sich auch über die Frage, inwieweit bei den Deutschen Schulschachmeisterschaften unabhängig von der Tatsache, dass der Schulschachbereich nur eingeschränkt mit dem Bereich des Vereinsschachs zu vergleichen ist, die in der Spielordnung der Deutschen Schachjugend veran-kerten DWZ-Regelungen Berücksichtigung finden sollen und die Mannschaften verpflichtet werden können, nach DWZ-Zahlen aufzustellen. Hier hat sich auf der letzten Schulschachreferententagung eine massive Mehrheit dafür ausgesprochen, bereits bei den Meisterschaften im Jahre 2001 Paragraph 5 der Jugendspielordnung anzuwenden.
- Schließlich und endlich geht es natürlich auch hier wieder einmal um das Geld, vor allem den selbst für Insider oft eher nebulösen Begriff der "Fahrtkostenspitzenabdeckung". Ohne mich hier in Details ergehen zu wollen, sei an dieser Stelle lediglich lapidar festgestellt, dass die DSJ pro Wettkampfklasse für Fahrtkostenzuschüsse 2.000,- DM zur Verfügung stellt und davon in erster Linie die Mannschaften profitieren können, die eine überdurchschnittlich weite Anreise zu absolvieren haben.
Dass derartige spieltechnische Detailfragen, sieht man die Dinge einmal abwechslungshalber nicht aus der Sicht eines Schachfunktionärs, als eher irrelevant und bedeutungslos angesehen werden und hier der Finger auf eine gänzlich andere "Wunde" gelegt wird, macht nicht zuletzt ein Blick nach Nordrhein-Westfalen, das ja mitgliederstärkster Landesverband des Deutschen Schachbundes ist, deutlich.
Die Ausschreibung der Schulschachwettkämpfe erfolgt hier seit Jahr und Tag durch das "Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport" des Landes Nordrhein- Westfalen und ist jeweils zu Beginn des Schuljahres in einem unter dem Titel "Schulsport in NRW" herausgegebenen Buch veröffentlicht, welches sich im Regelfall in den Händen eines mit der Organisation der Sportwettkämpfe beauftragten Sportlehrers befindet. In dieser Konsequenz erfolgt dann auch die Anmeldung zu den Meisterschaften mit speziellen Formularen bei den Ämtern für Schulsport in den Städten und Kreisen.
Organisator der landesweiten Schulschachwettbewerbe ist insofern auch nicht die Schachorganisation, sondern die Schulbehörde in Gestalt der Ämter für den Schulsport in den Städten und Landkreisen; die Sieger werden letztendlich im Rahmen des Landessportfestes der Schulen ("Jugend trainiert für Olympia") ermittelt.
Fragt man sich an dieser Stelle etwas irritiert, welcher Stellenwert denn in der Konsequenz des Gesagten den eingangs beschriebenen Deutschen Schulschachmeisterschaften und den diesbezüglichen Regelungen der Jugendspielordnung der DSJ zukomme, wird man bei Vertretern der Kultusbürokratie in Düsseldorf kaum auf Gegenliebe stoßen: Offiziell heißt es hier nach wie vor, dass das Schulschach- Wettkampfprogramm im Rahmen des Landessportfestes mit der schachlichen Begegnung der Meister aus den fünf Regierungsbezirken endet und es im Schulschach kein "Bundesfinale" gibt.
Wenn man sich gleichzeitig jedoch vor Augen führt, dass Mannschaften aus Nordrhein-Westfalen seit vielen Jahren in schöner Regelmäßigkeit an eben diesen Deutschen Schulschachmeisterschaften, die es laut offiziösen Verlautbarungen realiter doch gar nicht gibt, mit Erfolg teilnehmen, ist dieses, humorvoll betrachtet, kennzeichnend dafür, dass Totgesagte bekanntlich um so länger leben. Realiter kann man, bei Lichte gesehen, aber auch von einer eklatanten Schizophrenie föderalistischer Bildungspolitik sprechen.
Insofern war es denn aus meiner Sicht auch nicht verwunderlich, dass die für die auf der DSJ-Jugendversammlung in Münster geplante Podiumsdiskussion zum Thema "Schulschach" kurz vor Toresschluss allein deshalb platzte, weil die zu diesem Zwecke eingeladenen Vertreter des zuständigen Ministeriums ihre zuvor gegebene Zusage urplötzlich widerriefen. Viele Insider interpretierten dieses Rückzugsgefecht als das verzweifelte Bemühen, dem "ideologischen Spagat" nicht auch noch die sportliche Rolle rückwärts folgen zu lassen...
Last but not least sei spätestens an dieser Stelle gesagt, dass es objektiv durchaus schwer fällt, einseitig den Argumenten der Schachorganisationen respektive der Deutschen Schachjugend oder alternativ den amtlichen Verlautbarungen mancher Kultusbürokratien zu folgen:
- Die Verfassungsväter der Bundesrepublik Deutschland, die im Jahre 1948 im Parlamentarischen Rat in Hohenchiemsee tagten, taten sicherlich gut daran, den Erfahrungen der Weimarer Republik insofern Rechnung zu tra-gen, dass das föderalistische Prinzip in stärkerem Maße als bislang Verfassungswirklichkeit werden sollte, und daran hat sich de jure bis heute wenig geändert.
- Insofern argumentieren auch alle diejenigen, die darauf hinweisen, dass Bildungspolitik an den Landesgrenzen der jeweiligen Bundesländern endet, formaliter richtig, wenn sie inhaltlich darauf abheben, dass eine der Kultusbürokratie hierarchisch nicht zugeordnete Schachorganisation keineswegs legitimiert scheint, Schulleitungen etwa nach § 22.4 der Jugendspielordnung (DSJ) zu irgendwelchen Tätigkeiten zu verpflichten.
- Umgekehrt macht es nach wie vor, berücksichtigt man andere vergleichbare Meisterschaften, Sinn, wenn Schulschachmannschaften, die sich auf Landesebene als besonders erfolgreich erwiesen haben, unabhängig von allen föderalistischen Prinzipien die Chance suchen, sich mit anderen Landessiegern im sportlichen Wettstreit zu messen, um den imaginären "Deutschen Schulschachmeister" zu küren.
- Das Engagement der Deutschen Schachjugend, die derartige "Fata-Morgana-Wettbewerbe" durch ihre finanzielle Unterstützung seit Jahren tatkräftig fördert und durch ihre Ausschreibung eigentlich erst möglich macht, ist in diesem Zusammenhang vor allem unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Teilnahme an Schulschach- Arbeitsgemeinschaften die Mitgliedschaft in einem deutschen Schachverein ja nicht einmal voraussetzt, besonders zu würdigen.
- Allen Schulleitern, die die über die jeweiligen Landeswettbewerbe qualifizierten Mannschaften für die Teilnahme an den Deutschen Schulschachmeisterschaften und auch ihre Betreuer vom Unterricht befreien bzw. von anderen dienstlichen Verpflichtungen freistellen, ist für das von Ihnen unter Beweis gestellte Engagement sehr herzlich zu danken.
- Junge Schachspieler, die von allen derartigen Querelen im Regelfall nicht wissen, sondern es als geradezu selbstverständlich erachten, ihr jeweiliges Bundesland und ihre Heimatschule bei den Deutschen Schulschachmei-sterschaften würdig zu vertreten, und dafür im Regelfall bereit sind, ein un-terrichtsfreies Wochenende wie selbstverständlich zu opfern, werden es allen Verantwortlichen zu danken wissen, wenn diese alles in ihren Kräften Stehende dafür tun, um derartiges Engagement zumindest nicht zu torpedieren.
Web-Site der Deutschen Sportjugend:www.dsj.de mit neuem Gesicht
Ab dem 23.03.2001 geht die Deutsche Sportjugend online mit ihrem erweiterten und neu strukturierten Angebot im Internet. Während "Olympische Jugend Online" noch etwas auf sich warten lässt (hier ist die dsj noch mit dem Aufbau einer pfiffigen Jugendplattform beschäftigt), gewinnt der User aber auch schon jetzt den Eindruck einer benutzerorientierten Website. Leicht auffindbar und jeweils mit einem direkten E-Mail-Kontakt zur Arbeitsebene versehen, gibt es Informationen zum Zivildienst im Sport, zum Freiwilligen Sozialen Jahr; finden sich konkrete Angaben zum Austausch mit zahlreichen Ländern und wird zu Diskussionen, zum Beispiel über die Brettschneider-Studie, aufgerufen. Gemeinsame Themen der Deutschen Sportjugend und ihrer Mitgliedsorganisationen, wie z.B. Projekte und Initiativen im Internationalen Jahr der Freiwilligen, Aktionen gegen Gewalt und geschlechtsbewusste Jugendarbeit werden gesammelt und in einem Informationspool der Community zur Verfügung gestellt. Der Service- und Dialog- Charakter des Internet-Angebotes steht im Vordergrund und wird kontinuierlich erhöht werden.
Neue E-Mailadressen der Deutschen Schachjugend unter...@deutsche-schachjugend.de
Bisher ist der Vorstand, oder sind einzelne Arbeitsbereiche durch private E-Mailadresse bundesweit zu erreichen. Die DSJ hat dies nun auf offizielle Adressen des Verbandes umgestellt, dadurch ändert sich die Adresse nie, auch wenn der Amtsinhaber und Adressat der E-Mail sich eventuell ändert.
Damit ist eine bessere Identifikation mit den Funktionen und dem Verband erreichbar. Bitte daher die aufgeführten E-Mailadressen notieren und ab sofort nutzen!
Beispiel: Die Adresse finanzen@deutsche-schachjugend.de steht für alle Finanzfragen an die DSJ zur Verfügung und alle Mails werden weitergeleitet an den Finanzreferenten Markus Semmel und dessen private E-Mailadresse masemmel@aol.com.
Fachgebiet E-Mail-Weiterleitung ------------------------------------------------------------------------ Vorstand: vorsitzender@deutsche-schachjugend.de juhnkem@aol.com p.wiebe@t-online.de finanzen@deutsche-schachjugend.de masemmel@aol.com spielbetrieb@deutsche-schachjugend.de norbert.lukas@uni-essen.de jugendarbeit@deutsche-schachjugend.de jean.paul@t-online.de jugendsprecher@deutsche-schachjugend.de famschwede@aol.com thorstenhaber@web.de schulschach@deutsche-schachjugend.de elueers@t-online.de maedchen@deutsche-schachjugend.de jean.paul@t-online.de presse@deutsche-schachjugend.de mk.dsj@gmx.de ausbildung@deutsche-schachjugend.de helmut_schumacher@t-online.de Geschäftsstelle: geschaeftsstelle@deutsche-schachjugend.de schulzjp@aol.com info@deutsche-schachjugend.de schulzjp@aol.com Beauftragte: leistungssport@deutsche-schachjugend.de voeklerb@aol.com rechtsfragen@deutsche-schachjugend.de kfdeventer@aol.com wertungen@deutsche-schachjugend.de reinhard.sabel@t-online.de webmaster@deutsche-schachjugend.de gerhard.hund@t-online.de trainer@deutsche-schachjugend.de bezold@gmx.de Und natürlich ist auch das DSJ-Maskottchen erreichbar: chessy@deutsche-schachjugend.de jean.paul@t-online.de
Konferenz "Soziale Talente" vom 28. - 30.09.2001 in Bayreuth"Ehrenamtliches Engagement im Verein - nichts für Ichlinge?"
Verschiedene Modelle zur Gewinnung und Motivation von jungen Ehrenamtlichen sollen bei der bundesweiten dsj-Konferenz in der Universität Bayreuth vorgestellt werden.
Unter dem Titel: "Ehrenamtliches Engagement im Verein - nichts für Ichlinge?" hält Prof. Dr. Heiner Keupp, Hochschullehrer für Sozial- und Gemeindepsychologie an der Universität München, einen der Hauptvorträge.
Weitere ReferentInnen sind Roland Karren, Vorsitzender der Wirtschaftsjunioren Deutschlands und die Bundesvorsitzende der Jungen Union, Hildegard Müller.
Themen der Workshops sollen sein: alternative Formen des Ehrenamtes, neue Sitzungskulturen, Juniorteams und Patenmodelle zur Unterstützung junger Ehrenamtlicher.
Sport und Spaß werden auch nicht zu kurz kommen. Eingeladen sind vor allem junge Ehrenamtliche in Sportvereinen und -verbänden und VerbandspolitikerInnen, die diese Arbeit unterstützen.
Weitere Informationen: Katrin Rebbert, Tel: 069/ 67 00 - 335, E-Mail: rebbert@dsj.de
(Giesela Nüssler, dsj)
Die Deutsche Schachjugend wird bei dieser Konferenz auch vertreten sein; schon jetzt ist sie aufgeführt unter denjenigen Verbänden, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigen. Die Deutsche Schachjugend bringt ihre Erfahrungen und Arbeit mit und für Jugendsprecher ein.
Impressum DSJ-FORUMHerausgeber: Deutsche Schachjugend
www.Deutsche-Schachjugend.de
Verlag: JugendSchachVerlag, Partner der Deutschen Schachjugend
Redaktionsanschrift: Geschäftsstelle Deutsche Schachjugend, Jörg Schulz, Hanns-Braun-Str. Friesenhaus I, 14053 Berlin.Das DSJ-FORUM ist das Informationsblatt der Deutschen Schachjugend. Es erscheint 10 mal im Jahr als Beilage der Zeitung JUGENDSCHACH.
DSJ-FORUM wird gefördert aus Bundesmitteln des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
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