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Deutsche Schachjugend |
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In der heutigen Folge meiner Artikelreihe über "Schulschach in Deutschland" möchte ich einmal der Frage nachgehen, welche Gesichtspunkte bei einer Kooperation von Schule und Verein zu beachten sind und welche Vorteile sich aus einer derartigen Zusammenarbeit für beide Seiten ergeben.
Ich greife dabei im wesentlichen auf Überlegungen zurück, die bereits in der 1994 gemeinsam von DSB und DSJ herausgegebenen Broschüre "Schule und Verein - Gemeinsam geht's besser" angesprochen wurden. Grundsätzlich hat sich an der Richtigkeit dieser Argumente bis zum heutigen Tage wenig verändert.
Schach wird in Deutschland, wie wir alle wissen, in den im Deutschen Schachbund organisierten Vereinen und in Arbeitsgemeinschaften an Schulen angeboten. Insofern sind der Schul- und der Vereinsbereich zusammen das Fundament, auf dem die Deutsche Schachjugend (DSJ) aufbaut.
Beide Bereiche stehen relativ selbständig nebeneinander, weisen aber auch zahlreiche Verbindungen auf. Sie haben jeweils ihren eigenen Organisationsrahmen gefunden, deren Klammer neben dem Deutschen Schulschach- Meisterschaften vor allem die jeweiligen Schulschachreferenten in den verbandlichen Organisationsstufen auf Bezirks- und Landessebene sind.
In der DSJ hat sich ein breit gefächertes Wettkampfsystem entwickelt, das nach Jahrgängen und Leistungsklassen aufgeteilt ist; in den Vereinen sind ca. 25.000 Jugendliche und Kinder organisiert. - Gleichzeitig nehmen Jahr für Jahr ca. 10.000 Schülerinnen und Schüler auf allen schulischen Ebenen an dem Schulschach- Mannschaftswettbewerb teil, und sicherlich spielen in vielen weiteren Arbeitsgemeinschaften Kinder und Jugendliche Schach, ohne an regionalen und überregionalen Ausscheidungswettkämpfen interessiert zu sein.
Was die Zielsetzung der Jugendarbeit in Schulen und Vereinen betrifft, lassen sich diese im wesentlichen wie folgt zusammenfassen:
- (Schul-)Schach dient der Förderung individueller geistiger Fähigkeiten.
- (Schul-)Schach ist förderlich für die Entwicklung sozialen Verhaltens.
- (Schul-)Schach ist hilfreich, Leistungsbereitschaft zu wecken.
- (Schul-)Schach dient dazu, Wettbewerbsfähigkeit zu erwerben.
Es mag in diesem Kontext so sein, dass sich Vereine vor allem in der Vergangenheit mehr an den Punkten 3 und 4 orientiert haben; dieses ist jedoch in der heutigen Zeit sicherlich nicht mehr ausreichend. - Umgekehrt stellen Schulen im Regefall die Punkte 1 und 2 in den Vordergrund ihrer Arbeit; auch hier entwickelt sich jedoch in Zeiten, in denen Schulen vermehrt in den Wettbewerb miteinander eintreten und um Profilbildung bemüht sind, der Wunsch nach verstärkter Leistungsorientierung.
Was liegt insofern in dieser Situation näher, als eine Zusammenarbeit zwischen Schule und Verein, wo immer dieses möglich ist oder sich anzubieten scheint, anzustreben?
Wie im folgenden zu zeigen ist, bietet dieses Zusammenwirken von Schule und Verein für beide Seiten Vorteile und neue Möglichkeiten.
Vorteile einer Kooperation mit einer Schulschach- Arbeitsgemeinschaft bestehen für den Verein in folgender Hinsicht:
- Der Verein kann Kinder und Jugendliche an das Schach heranführen und aktiv Nachwuchsarbeit betreiben.
- Es besteht für den Verein die perspektivische Möglichkeit, Kinder, deren Eltern und Lehrer gegebenenfalls als neue Vereinsmitglieder für sich zu gewinnen.
- Der Verein kann die pädagogischen Fähigkeiten der Lehrer für den Übungs-betrieb nutzen.
- Durch ein attraktives Angebot für Kinder und Jugendliche sowie durch die Erleichterung der materiellen und finanziellen Unterstützung (z.B. Kommunen, Sponsoren) kann der Verein einen Imagegewinn erzielen.
- Der Verein kann in Kooperation mit der Schule und der beteiligten Lehrkräfte gegebenenfalls neue Spielzeiten und Spielorte erschließen.
Umgekehrt sollte auch die schulische Schach-Arbeitsgemeinschaft aus einer Kooperation miteinem Verein Vorteile für sich erkennen:
- Durch die Zusammenarbeit mit dem Verein kann das Sport- und Spielangebot der Schule erweitert werden.
- Das Schulleben erfährt durch diese Zusammenarbeit eine nicht unbeträchtliche Bereicherung.
- Der allgemeine Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule wird durch die Integration außerschulischer Lernorte unterstützt.
- Die Lehrer erhalten durch die Zusammenarbeit zwischen Schule und Verein vielfältige Anregungen und bilden sich fort.
- Die Schulschach-Arbeitsgemeinschaft kann Materialien des Vereins mitbenutzen.
- Durch die Kooperation zwischen Schule und Verein profitieren die Schülerinnen und Schüler im Regelfall leistungsmäßig und sind deshalb bei der Teilnahme an Wettbewerben erfolgreicher.
- Erfolge schulischer Arbeitsgemeinschaften verschaffen den jeweiligen Schu-len einen nicht zu unterschätzenden Imagegewinn und ermöglichen eine ver-besserte Profilbildung (siehe Artikel zur Hochbegabtenförderung.
Die Deutsche Schachjugend hat es sich gerade in diesem Jahr zu ihrer ausdrücklichen Aufgabe gemacht, Schachvereinen und Schulschach-Arbeitsgemeinschaften bei ihrem Wunsch nach einer Kooperation zu helfen, und deshalb dem Thema "Schulschach" im Kalenderjahr 2001 eine absolute Priorität zugeordnet.
Dabei betritt die DSJ notwendigerweise nicht vollkommenes Neuland. So haben zum Beispiel in erster Linie die Landesschachjugenden in Hamburg und Nordrhein-Westfalen bei der Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen vielfältige Erfahrungen gesammelt, und in vielen weiteren Bundesländern gibt es von den jeweiligen Kultusministerien und Landessportbünden entwickelte Programme zur Thematik "Schule und Verein".
Schach ist ein faszinierendes Spiel mit vielen Möglichkeiten und hilft, wie nicht zuletzt Anatoli Karpow gesagt hat, den Kindern, mannigfache Fähigkeiten und Charaktereigenschaften zu entwickeln, die im späteren Leben sehr nützlich sind, so vor allem Logik, die Fähigkeit, Dinge zu Ende zu denken und korrekte Entscheidungen zu treffen, zudem die Fähigkeit, Verantwortung für diese Entscheidung zu übernehmen. Schach ist gleichzeitig ein ernsthafter, trainingsintensiver Sport, durch den und mit dem die Jugendlichen die Möglichkeit erhalten, ihre Persönlichkeit zu entwickeln.
Es lohnt sich nicht zuletzt deshalb, sich für das Schachspiel im Kinder- und Jugendbereich zu engagieren. Es lohnt, dass hierbei die Vereine und Schulen zusammenarbeiten.
Im deutschen Schulsystem findet derzeit eine "Revolution" statt: Politik und Pädagogen entdecken die Notwendigkeit der Eliteförderung. Ministerien, Dezernate und Schulverwaltungen drängen auf Hochbegabtenförderung und zwingen die Schulen, Konzepte zur Förderung besonders Begabter (Hochbegabtenförderung) zu entwickeln. Diese neue und nach der politischen Dominanz der 68er Generation nicht unbedingt erwartete Wendung in der Bildungspolitik trifft teils auf Skepsis und Ratlosigkeit, teils auf Begeisterung und Motivationsschübe etwa in der Lehrerschaft.
Die Betroffenen - Schulleitungen, Lehrer, Eltern, Schüler - sind vielfach ratlos, weniger wegen der Einsicht in die Notwendigkeit der Hochbegabtenförderung als vielmehr im Hinblick auf die einzuschlagenden Wege und Aktivitäten.
Sichtet man die Vorschläge für Aktivitäten der Schulen und Lehrer, so spielt das Angebot an zusätzlichen Inhalten, Kursen und Aktivitäten über den durchschnittlichen Lehrplan hinaus eine bedeutende Rolle. Also suchen die Pädagogen nach Inhalten und Formen, die besonders für die empirisch geschätzten 2 bis 3 Spitzenschüler einer Klasse/Jahrgangsstufe weiterführend, motivierend oder in anderer Weise fördernd wirken.
Die Schachorganisation geht schon seit langem davon aus, dass Schach ein gerade hierfür adäquates Angebot ist. Nun öffnet sich - für eine kurze Zeit - ein "strategisches Fenster", eine Einflugschneise, die der Schachorganisation ermöglichen sollte, mit offizieller Unterstützung und Förderung junge Schachinteressierte, Mitglieder und Multiplikatoren zu gewinnen und zu binden. WENN die Gelegenheit schnell (!) beim Schopf ergriffen wird und konkrete Vorschläge zur Ausfüllung dieser Facette der Hochbegabtenförderung unterbreitet und realisiert werden.
Was ist zu tun? Was kann - oder besser: was sollte die Schachorganisation auf den verschiedenen Ebenen tun und erreichen?
- Sensibilisierung aller Mitglieder der Schachorganisation: Behandlung auf dem Bundeskongress, in weiteren Gremien, in der Schachpresse.
- Fokussierung der bestehenden Schulschach-Initiativen auf die im Zusammenhang mit Hochbegabtenförderungsmaßnahmen auftretenden Möglichkeiten.
- Beauftragung einer geeigneten, möglichst vorhandenen Arbeitsgruppe/ Kommission mit der Erarbeitung weiterer konzeptioneller Vorschläge.
- Zusammenstellung der Ansprechpartner für Hochbegabtenförderung, z.B. in Bildungseinrichtungen und der Bildungsadministration (Bezirksregie-rungen) und bei der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK).
- Zusammenstellung von Vorschlägen (siehe auch 7.) als Handreichung für Vereine, Bezirke usw. innerhalb der Schachorganisation.
- Workshop mit Schulschachreferenten und Pädagogen, die Experten in Bega-bungsforschung und der Umsetzung entsprechender pädagogischer Angebote sind.
- Realisierungsvorschläge:
- Schachkurse für hochbegabte Schüler durch Vereine/Vereinsmitglieder
- Information und gegebenenfalls. Schulung von Lehrern
- Dokumentation: wo sind Lehrer, die an ihren Schulen mit Hochbegabtenförderung beauftragt sind, gleichzeitig aktive Schachspieler/Vereinsmitglieder?
- Unterstützung von interessierten Schulen/Lehrern mit Informations-, Spiel-, Lehrmaterial (Lehrmaterial ist vorhanden).
- Erfahrungsaustausch über die o.g. Angebote, ihre Akzeptanz und ihren Erfolg
- Turniere / Mannschaftskämpfe zwischen Gruppen der geförderten Hochbegabten, z.B. in einer Großstadt
- ausdrückliche Öffnung von Turnieren und Ferienmaßnahmen z.B. für Gruppen/Mannschaften aus Hochbegabtenklassen
- Analyse des Zusammenhanges zwischen "Hochbegabung" (verschiedenen Typs) und Eignung für Schach
- erneute Bemühungen, Schach in bestimmten (!) Lehrplänen zu verankern.
Mensch gegen Maschine, Schachweltmeister Kramnik gegen Fritz. Der amtierende Schachweltmeister Vladimir Kramnik wird im Oktober in Bahrain einen Wettkampf gegen "Deep Fritz", das derzeit stärkste Schachprogramm der Welt, spielen. Das Preisgeld beträgt eine Million Dollar. Falls der Computer gewinnt, erhält er $400.000, bei einer Niederlage geht er leer aus. Die ChessBase GmbH, der Hersteller von Deep Fritz, will das Preisgeld im Falle eines Sieges nicht einbehalten, sondern für eine Stiftung zur Förderung von Jugend- und Schulschach in Europa verwenden.
Soweit die Zusammenfassung verschiedener Pressemitteilungen, die diesen neuerlichen interessanten Kampf zwischen Mensch und Maschine ankündigen.
Das eigentlich Interessante aus Sicht des Jugendschachs ist jedoch nicht der Kampf alleine, sondern die Ankündigung der Firma ChessBase, den eventuellen Gewinn nicht in die Firma oder andere Taschen zu stecken, sondern daraus eine Stiftung zur Förderung des Jugendschachs in Europa zu machen.
ChessBase führt dazu aus: Preisgeld für Jugendschach
Im Oktober wird Schachweltmeister Kramnik in Bahrain einen Wettkampf über acht Partien gegen das Schachprogramm Fritz spielen. Falls Fritz gewinnt, erhält er $400.000. Die ChessBase GmbH, der Hersteller von Fritz, will in diesem Falle das Preisgeld in voller Höhe in eine "Fritz Jugendschachstiftung" einzahlen. Das Ziel der Stiftung ist die Förderung Jugend- und Schulschach in Europa. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Schachjugend soll Breiten- und Spitzenschach gefördert werden:
- Internationale Trainingslager in den Sommerferien
- Talentförderung
- Unterstützung von Jugendturnieren und Turnierreisen
- Verbreitung von Schach an Schulen
"Mit dieser Stiftung wollen wir die Stellung von Schach in der Gesellschaft verbessern," sagte Frederic Friedel, Mitbegründer der Firma ChessBase. "Junge Menschen sollen durch gezielte Förderung und Kontakt mit Gleichgesinnten aus allen europäischen Ländern für Schach begeistert werden."
Kontakt
ChessBase GmbH, Mexikoring 35, 22297 Hamburg,
Tel: 040-63 90 600 Fax: 040-630 12 82, Webseite: www.chessbase.deDrücken wir also diesmal der Maschine die Daumen, damit hinterher durch das Preisgeld die Menschen gefördert werden, und da vor allem die Jugendlichen bei uns und in Europa!
Impressum DSJ-FORUMHerausgeber: Deutsche Schachjugend
www.Deutsche-Schachjugend.de
Verlag: JugendSchachVerlag, Partner der Deutschen Schachjugend
Redaktionsanschrift: Geschäftsstelle Deutsche Schachjugend, Jörg Schulz, Hanns-Braun-Str. Friesenhaus I, 14053 Berlin.Das DSJ-FORUM ist das Informationsblatt der Deutschen Schachjugend. Es erscheint 10 mal im Jahr als Beilage der Zeitung JUGENDSCHACH.
DSJ-FORUM wird gefördert aus Bundesmitteln des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
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