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Deutsche Schachjugend |
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Infos, Berichte von GM Bezold, Teilnehmer, Ergebnisse, Paarungen, Tabellen, Partien
Michael Bezold schreibt: ... ich werde taeglich ueber die Wettkaempfe berichten ...
Berichte 1, 2, 3, 4, 5 und Abschlussbericht von GM Michael Bezold
Bericht über die Mannschafts-EM der Jungen und Mädchen U18
Mit etwas Verzögerung kommt nun der erste Lagebericht der deutschen Jugendnationalmannschaften aus Ungarn. Und es ist schon aller Hand passiert bis jetzt.
Zur Einführung: Bereits zum dritten Mal richtet der ungarische Schachverband unter den Augen der ECU die Mannschafts-EM U18 der Jungen und Mädchen aus. Austragungsort ist erneut Balatonlelle, einem kleinen Badeörtchen in der Mitte des Südufers vom Plattensee.
Die Mädels spielen dabei mit Zweierteams, die Jungs mit Viererteams plus je einen Ersatz. Es werden 7 Runden nach Schweizer System gespielt und es zählen die Brettpunkte vor den Mannschaftspunkten, wie es auch bei der Olympiade gehandhabt wird. Die Kadenz beträgt 90 Minuten für die ganze Partie plus 30 Sekunden pro Zug, beginnend schon beim ersten.
Wer ging denn nun also bei uns an den Start.
Bei den Mädels waren dies die Hamburgerin Leonie Helm, die Berlinerin Irena Fliter und die Chemnitzerin Anne Czaeczine, bei den Jungs der Backnanger Arik Braun, der Dortmunder David Baramidze, der Aschaffenburger Lorenz Drabke, der Mönchengladbacher Ilja Zaragatski und der Heilbronner Hannes Rau. Die Auflistung erfolgte so wie auch die Mannschaftsaufstellung abgegeben wurde, d.h. Leonie und Arik tragen die schwere Bürde des ersten Brettes. Als Trainer fungieren der Hamburger Jan Gustafsson und meine Wenigkeit.
Wie ist unsere Ausgangslage und was wollen wir erreichen?
Insgesamt sind 11 verschiedene Nationen an den ungarischen Ferienort gereist, in der Mädchenklasse spielen 11, bei den Jungs 13 Teams. Wir sind in beiden Feldern nach den ELO-Zahlen genau in der Mitte eingeordnet. Allerdings haben bei den Jungs sämtliche fünf Mannschaften vor uns einen um über 100 Punkte höheren Schnitt, also kein leichtes Unterfangen. Aber unser Ziel lautet trotzdem, wir wollen um eine Medaille kämpfen.
ELO-Favorit hier der Titelverteidiger aus der Ukraine, auch bei den Mädels ein ähnliches Bild. Allerdings ist der Abstand nach oben nicht ganz so gewaltig. Auch hier wird ein Platz auf dem Treppchen anvisiert.
Da das Turnier am Dienstag offiziell mit der Anreise beginnen sollte, beschlossen wir das Wochenende noch mitzunehmen und bereits 3 Tage früher anzureisen. So trafen wir uns alle am Nürnberger Bahnhof und fuhren gemeinsam mit dem Bus los. Da einer der Schützlinge seinen Pass vergessen hatte, verzögerte sich unsere Abfahrt etwas, wir kamen aber trotzdem noch kurz vor Mitternacht in unserem Hotel an.
Uns erwartete schon der Geschäftsführer des DSB Horst Metzing, der als ECU-Vertreter die Veranstaltung eröffnen sollte. Auch er kam schon einige Tage eher zum Plattensee. Das Wetter ließ aber etwas zu wünschen übrig, war der Sonntag noch OK, so regnete es am Montag den ganzen Tag. Seitdem lacht die Sonne, ständig Temperaturen um die 30 Grad. Wir nutzten die Tage vor dem Turnier für eine schachliche Vorbereitung aber auch für einen sportlichen Ausgleich.
Und hier passierte auch gleich ein sehr unangenehmer Unfall. Jan fiel so unglücklich auf den Boden, dass er seinen Arm nicht mehr bewegen konnte. Da es nach einiger Zeit auch nicht besser wurde, fuhren wir zum Arzt. Dieser verwies uns ins Krankenhaus zum Röntgen. Das Ende vom Lied ist, Jan hat jetzt einen Gips, den er wohl bis zum Ende des Turniers mit sich herumschleppen muss. Gebrochen ist der rechte Arm allerdings nicht.
Kommen wir zum Start des Turniers. Wie bereits angedeutet, spielten wir als letzter der ersten Hälfte gegen eine nominell schwächere Mannschaft. In beiden Kategorien sollte es gegen die erste Auswahl der Türken gehen. Bei den Jungen war es eine klare Angelegenheit. Ilja, der mit einem leichten Schnupfen zu kämpfen hatte, pausierte. Der Rest erledigte die Aufgabe souverän und wir gewannen mit 4-0.
Bei den Mädels verzichteten wir auf einen Start Leonies, die erst später hinzu stoß, nach ihrem erfolgreich abgelegten Abitur. Irena glich mit Schwarz schnell aus, gewann die Qualität und schien sicher auf der Siegerstrasse. Aber sie hatte mit der neuen Bedenkzeit zu kämpfen und gab Weiß unnötige Rettungschancen. Mit etwas Glück holte sie doch noch den ganzen Punkt. Anne erreichte ebenfalls eine gute Stellung, aber auch sie machte den Sack nicht zu und konnte nur mit Müh und Not das Remisendspiel gewinnen. Ein sehr zäher Auftaktsieg.
Die zweite Runde brachte uns zwei schwere Brocken. Polen bei den Jungs und Jugoslawien bei den Mädels. Wir spielten in beiden Kämpfen mit den ersten vier bzw. zwei, und wir hatten gute Möglichkeiten in beiden Kämpfen.
Besonders Arik spielte eine klasse Partie. Er überspielte seinen Gegner und erkämpfte sich die Qualität. In einer technisch klar gewonnenen Stellung verlor er aber den Faden und schaffte es nicht, seinen Materialvorteil in einen vollen Punkt umzusetzen. Im Gegenteil: Zum Schluss musste er mit Remis noch hoch zufrieden sein, aber beide Spieler hatten nur noch wenige Sekunden und sie einigten sich.
Eine indisponierte Leistung bot David. Er fand nie zu seinem Spiel und verlor ohne Chance. Lorenz bekam genau die Variante aus der Vorbereitung aufs Brett und erreichte ein lockeres Remis. Ilja stand nach der Eröffnung besser, übersah eine Vereinfachung und musste hart um das Remis kämpfen. Eine 1,5-2,5 Niederlage ist noch einigermaßen akzeptabel. Heute wartet mit Rumänien eine erneut höher eingestufte Mannschaft. David wird pausieren.
Bei den Mädels lief es noch schlechter. Dabei kam Irena ideal aus der Eröffnung. Im Pirc verpasste sie Schwarz einen Doppelbauern, zentralisierte danach alle ihre Figuren. Aber ab einem bestimmten Moment verlor sie den Faden und nach und nach wurden ihre Figuren zurückgedrängt. Materialverlust war unvermeidbar, ebenso wie die Niederlage.
Bei Leonie lief auch nicht alles rund, aber gegen ihre nominell bessere Gegnerin hatte sie viele gute Verteidigungsressourcen ausgelassen. Bis kurz vor Schluss hatte sie noch Chancen, aber es sollte heute nicht sein. Diese 2-0 Niederlage brachte uns nicht weiter nach vorne auf dem Weg zur Spitze. Heute müssen wir mit einem Sieg gegen Slowenien II wieder den Anschluss herstellen.
Sonst ist hier alles in Ordnung, Hotel ist OK, Essen auch einigermaßen und die Stimmung ist auch gut. Die Fußball-WM dominiert auch in Ungarn alles, alle Spiele werden live und unverschlüsselt übertragen.
Bis bald
Michael Bezold, Balatonlelle, 14.6.02Bericht über die dritte Runde bei der EM
Allgemeines:
Die Temperaturen steigen weiter und es herrscht brütende Hitze hier am Plattensee. Zum Abend allerdings gab es einen heftigen Regenschauer. Jans Arm ist weiter im Gips und noch keine Besserung in Sicht. Heute morgen feierten wir alle zusammen den deutschen Sieg gegen Paraguay und gingen voll motiviert zur Vorbereitung.Zur 3. Runde:
Die Auslosung bescherte uns die Rumänen und bei den Mädels die Sloweninnen. Hier wollten wir mit einem Sieg wieder Tuchfühlung zur Spitzengruppe aufnehmen, was aber völlig misslang. Dabei sah es zuerst sehr gut aus. Leonie kämpfte gegen einen Franzosen und Anne verteidigte sich sizilianisch. Gerade in ihrer Partie hatten wir schnell Vorteile. Leider sprang nicht mehr heraus als ein vielleicht etwas besseres Endspiel. Anne probierte alles, um noch den vollen Punkt einzuheimsen, übersah aber im Turmendspiel eine Abwicklung mit der sie vereinzelte Bauern bekam und musste schließlich sogar noch die Niederlage quittieren. Bei Leonie war der Spielverlauf ähnlich. Erst bessere Stellung, danach etwas überzogen und durch eine Unaufmerksamkeit die Partie noch verloren. Jetzt müssen wir die Ziele neu definieren und erst wieder Anschluss ans Mittelfeld finden.Viel besser lief es bei den Jungs.
Ein Klasse Wettkampf gegen Rumänien. Dabei sind die Jungs aus Transilvanien mit der 2,5-1,5 Niederlage noch gut bedient. Ilja überspielte seinen Gegner nach allen Regeln der Kunst, gewann die Qualität und schien schon sicher auf der Siegerstrasse. In dieser Phase nahm er den Bauern auf f4. Dadurch erst kam Schwarz zu Gegenspiel, das nicht so einfach zu parieren war. Er musste die Qualität wieder zurückgeben und verlor diese Partie sehr unglücklich. Eine starke positionelle Leistung zeigte Hannes. Im c3-Sizi besaß er schnell eine angenehme Stellung und behielt diesen Vorteil bis ins Endspiel. Weiß hielt dem Druck nicht stand und wollte sich durch Bauernopfer befreien, aber Hannes verwertete diesen Vorteil sicher.Eine erneut sehr solide Leistung zeigte Lorenz Drabke. Mit den schwarzen Steinen glich er rasch aus, und die Partie befand sich immer im Gleichgewicht. Logische Konsequenz Remis!
So zeichnete sich eine Entscheidung an Brett 1 ab. Arik hatte es mit dem 200 ELO-Punkten stärkeren Lupulescu zutun. Die Grünfeld Indische Variante stand zur Disposition. Schwarz vermied eine lange Theorieschlacht und wich schon früh von bekannten Pfaden ab. Arik fand sich aber bestens zu Recht und griff am Königsflügel an. Man hatte den Eindruck, Schwarz dürfte diese Lawine nicht überleben, aber Lupu verteidigte sich sehr geschickt. Arik jedoch ließ nicht locker und setzte nach, wollte unbedingt den Sieg. Im späten Mittelspiel bei etwas Zeitnot gewann er dann auch die Qualität, die er sicher nach Hause spielte. Eine bärenstarke Leistung der Mannschaft, die an jedem Brett über 100 Punkte weniger hatte als die Rumänen. Damit liegen wir nach 3 Runden auf dem dritten Platz hinter Jugoslawien und Ungarn.
Heute wartet mit der Ukraine das an Nummer 1 gesetzte Team. Bei den Mädels müssen wir gegen die Gastgeberinnen ran. Hier müssen wir dringend punkten, um das Freilos zu vermeiden.
Aber trotzdem die Stimmung ist sehr gut, heute noch mal volle Power, dann morgen gibt es dann einen Tag zum Ausruhen.
Schöne Grüsse vom Plattensee!
Michael Bezold, Balatonlelle, 15.6.02
Bericht über die 4. Runde
Allgemeines:
Hier gibt es nicht Neues, Jan`s Gips ist ab, aber er kann den Arm immer noch nicht bewegen. Die Temperaturen steigen weiter bei strahlendem Sonnenschein.4. Runde
Die 4. Runde bei der Mannschafts-EM der Mädchen und Jungen U18 brachte die erwartet schweren Kämpfe. Bei den Mädels stand uns mit Ungarn I ein ungefähr gleichstarkes Team gegenüber. Das zeigte auch der Spielverlauf. Sehr ausgeglichen gestalteten sich die ersten zwei Stunden. Dabei musste Leonie gegen die Rubinstein Variante im Franzosen ankämpfen, während es Irena mit der Damenindischen Verteidigung versuchte. So nach und nach erkämpften sich die beiden Vorteile, die auf ein 2-0 hoffen ließen. Aber dann kam wieder die Phase der Realisierung der Vorteile im Endspiele und gerade mit der neuen Bedenkzeit bleibt eigentlich keine Zeit, sich in die Stellungen zu vertiefen. So wurden die Chancen nicht optimal genutzt und es sprangen nur zwei Remis heraus.Damit sind wir weit von unseren Möglichkeiten entfernt. Nun begegnen wir in der 5. Runde auch noch dem Bye, so dass wir unser angestrebtes Ziel nicht mehr erreichen können. Trotzdem wollen wir noch einen versöhnlichen Schlusspunkt setzen und die beiden ausstehenden Matches erfolgreich bestreiten.
Bei den Jungs warteten in der 4.Runde die Jungs aus der Ukraine auf uns. Da wir die beiden letzten Jahre jeweils mit 4-0 klar unterlagen, wollten wir diesmal teuerer verkaufen. Und tatsächlich fing es auch ganz gut an.
Arik versuchte den Tarrasch Franzosen, er opferte einen Bauern und bekam gutes Gegenspiel. David dagegen hatte relativ schnell positionelle Nachteile, allerdings war nichts Konkretes in Sicht. Seine gewünschte Stellung erreichte auch Lorenz im c3 Sizi und unser Topscorer Hannes hatte im a6 Slawen bereits Vorteile. Auf einmal hatte David seinen Gegner irgendwie ausgetrickst und hatte Remis sicher durch Zugwiederholung. Er entschied sich aber für das ehrgeizige Weiterspielen, unterschätzte völlig die schwarzen Ressourcen und musste sich nach einigen ungenauen Zügen geschlagen geben. Sehr schade.
In dieser Wettkampfphase zeigten die Ukrainer ihre Klasse. Efimenko (2560) zentralisierte ganz cool seinen König bei fast vollem Brett und neutralisierte die kreative Spielanlage von Arik. Arik geriet in eine positionelle Verluststellung, die er aber sehr hartnäckig verteidigte. Efimenko übersah auch eine schöne Wendung. Danach wurde es noch einmal richtig spannend. Ein Springerendspiel mit wenigen Bauern auf dem Brett. Letztlich reichte es aber doch nicht ganz für unser Spitzenbrett. Auch Lorenz hielt dem Druck nicht stand und ging mit fliegenden Fahnen unter.
So blieb es Hannes vorbehalten mit seinem starken Endspielsieg eine Ergebniskosmetik herbei zu führen. Insgesamt war wohl mehr drin in diesem Match als ein 1-3.
Jetzt treffen wir auf die Tschechen, die wir unbedingt schlagen müssen, um noch Tuchfühlung zu den Medaillenrängen zu halten.
Gestern war Ruhetag. Immerhin konnten wir bei den sportlichen Disziplinen überzeugen. Sowohl beim Fußball als auch beim Volleyball Turnier gingen wir als Sieger vom Feld. Eine anschließende Bootsfahrt auf dem Plattensee schön ausklingen und wir stellen uns den Herausforderungen der letzten drei Runden.
Michael Bezold, Balatonlelle, 17.6.02
Bericht über die 5. Runde
Allgemeines:
Da gibt es nichts Neues, weiterhin tropische Temperaturen und leider sehr wenig Wind. Der Plattensee, der an den meisten Stellen ja nicht tiefer als ein Meter ist, hat ungefähr 20 Grad. Jans Arm geht's schon besser, wenn auch noch nicht völlige Genesung eingetreten ist.5. Runde:
Die Mädchen hatten spielfrei, was bedeutet, dass wir kampflos einen Punkt mehr auf unserer Habenseite verbuchen können. Heute erwartet uns die zweite Garnitur der türkischen Vertretung, es sollte eine lösbare Aufgabe sein. Leonie wird pausieren.Bei den Jungs mussten wir gegen die Tschechen ran. Wir taten uns doch relativ schwer. Dabei fing alles so gut an. Alle bekamen vorbereitete Varianten aufs Brett, Hannes kämpfte gegen das Morra Gambit. Er kannte aber alle Tricks in diesem Abspiel und sicherte sich seinen vierten Sieg in Folge.
Arik spielte das Abtauschsystem im Damengambit und hatte positionellen Vorteil. Doch in der Lavierphase konnte der Tscheche Boden gut machen und glich aus. Insgesamt ein korrektes Unentschieden.
Ilja lieferte sich eine theoretische Auseinandersetzung in der Winawer Variante im Franzosen. Sein Gegner kannte sich wohl etwas weiter aus und erreichte schnell eine überlegene Stellung. In beidseitiger Zeitnot keimte noch mal so was wie Hoffnung auf, als Ilja mit seiner Dame dem schwarzen König auf die Pelle rückte. Doch der Tscheche behielt die Nerven und schloss die Partie mit einem unwiderstehlichen Mattangriff ab.
So blieb die Entscheidung des Matches unserem Benjamin David überlassen, der diese Aufgabe souverän meisterte. Gerade die Technik zum Schluss war sehr ordentlich. Jedoch musste er erst mal eine sehr schwierige Stellung, in die er sich unnötig hinein manövrierte, einigermaßen überstehen.
So stand es am Ende doch etwas glücklich 2,5-1,5 für Deutschland. Damit sind wir auf den vierten Platz vorgerückt. Es führen nun ganz überraschend die Rumänen, die Jugoslawien mit 4-0 abfertigten. Heute kommt es zum Spitzenkampf Rumänien (14 Punkte) gegen Ukraine (13) und wir (11,5) müssen gegen die Jugos (12,5) ran.
Ein sehr schwerer Kampf steht bevor, aber dafür sind wir ja auch hier. Morgen wissen wir mehr.
Schöne Grüsse vom Plattensee!
Michael Bezold, Balatonlelle, 18.6.02
Bericht über die 6. Runde
Allgemeines:
Gute Stimmung, fast so gutes Wetter, viel Sport, vernünftiges Essen und viel Spaß, so könnte die Situation bei der Mannschafts-EM zusammenfassen.6. Runde:
Die Mädels konnten gegen Türkei II keine Bäume ausreißen. Am Ende stand ein sehr mageres 1-1. Irena spielte völlig indisponiert und verlor chancenlos im geschlossenen Sizilianer. Anne opferte auf Chance zwei Figuren gegen Turm und Bauer. Danach stürmte sie mit ihren Bauern vor und gewann eine Figur zurück und damit die Partie. Heute gegen Jugoslawien II, eine der schwersten Mannschaften bisher.Die Jungs zeigten wieder eine geschlossene Mannschaftsleistung. David konnte nach unbekannter Eröffnung einen Glanzsieg landen. Besonders die technische Gewinnführung ist absolut sehenswert und demonstriert die Rechenfähigkeit des jungen Dortmunders.
Auch Arik stand ihm in nichts nach und siegte nach einem Qualle Opfer. Beide Gegner hatten übrigens Zahlen so um die 2480. Ilja spielte ein solides Remis und Hannes konnte nach hartem Kampf ein Endspiel Turm gegen Turm und Läufer halten.
Heute geht's gegen Ungarn II und wir stehen hinter Rumänien und Ukraine auf dem dritten Platz.
Noch eine starke Leistung zum Schluss,..
Schauen wir mal!Byebye Michael Bezold, Balatonlelle, 19.6.02
Abschlussbericht über die EM U18 in Balatonlelle
Wieder gesund und munter in Deutschland angekommen, kurz die Geschehnisse der letzten Runde bei der Mannschafts-EM in Ungarn.
Bei den Mädels stand Jugoslawien II auf dem Programm. Wir konnten völlig befreit aufspielen, ohne auf ein bestimmtes Ergebnis zu hoffen. Vielleicht war es gerade diese Unbeschwertheit, die uns zu unserer besten Leistung beflügelte. Obwohl die Jugoslawinnen nominell etwas höher eingestuft wurden, setzten wir uns doch deutlich mit 2-0 durch.
Leonie bezwang in einer spanischen Positionspartie ihre Kontrahentin, nachdem sie im Mittelspiel einige Probleme zu lösen hatte. Sicher war die Stellung auch einmal ein wenig gefährdet, aber der Kampfgeist kompensierte dies wohl. Auch Anne zeigte eine starke kämpferische Vorstellung. In einem scharfen Najdorf Sizilianer wandte sie eine neue Idee von Ilja an. Sie fand sich in dem scharfen taktischen Gewässer bestens zu Recht, und brachte die Beute, sprich den vollen Punkt, sicher nach Hause.
In der Tabelle rutschten wir dadurch gänzlich überraschend auf den für nie und nimmer möglich gehaltenen vierten Platz vor. Nicht auszudenken, welche Platzierung wir hätten erreichen können, wenn wir halbwegs in Normalform gewesen wären. Anne schaffte gute 3 aus 4, die anderen beiden blieben bei 1,5 aus 4 stehen.
Siegerinnen wurden hier zum dritten Male hintereinander die jungen Damen aus der Ukraine vor den Jugoslawinnen, Rumänien belegte Platz 3.
Bei den Jungs war die Ausgangslage etwas anders. Hier galt es den dritten Platz zu verteidigen. Wir hatten noch theoretische Chancen auf eine bessere Platzierung, aber es galt erst mal die Verfolger auf Distanz zu halten. Besonders die Jugoslawen hatten mit Türkei II eine sehr dankbare Aufgabe. Die Türken aber spielten wohl den Wettkampf ihres Lebens und mit viel Pech erreichten sie nur ein 2-2.
Auch die anderen Lauernden sollten in dieser Runde noch einige Überraschungen erleben. Polen stand gegen die Ukraine sehr gut und die Rumänen hatten die Ungarn scheinbar im Griff. Wie schlugen wir uns?
Am Anfang sah alles sehr günstig aus. Arik spielte sein geliebtes e3-System im Nimzo Inder, bei David stand wieder Najdorf zur Debatte, Lorenz hatte schnell das Läuferpaar in der Englischen Partie und Hannes glich bequem aus, lehnte auch noch ein Remisangebot ab.
Aber so nach und nach wurde die Lage düsterer. Arik opferte einen Bauern, um seinen Freibauern in der d-Linie in Szene setzen zu können. Entscheidendes war jedoch noch nicht in Sicht. Bei Lorenz plätscherte die Partie so vor sich hin, Weiß behielt seinen Vorteil.
Doch dann die Schrecksekunde! Hannes übersah einen Springereinfall und musste in ein schlechter stehendes Endspiel abwickeln, das er verlor. Und bei den anderen Brettern noch nichts Konkretes.
Bei anrückender Zeitknappheit wandelte Lorenz seine bessere Stellung in einen vollen Punkt um und damit zum 1-1 Zwischenstand. Bei Arik tauschte sich alles ab und er hatte einen Bauern weniger im Turmendspiel bei minimalen Remishoffnungen. Aber zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich schon ab, dass zwei Punkte für die Bronzemedaille ausreichen sollten.
Die Hoffnungen ruhten auf David, der seinen Gegner im Mittelspiel taktisch auseinander nahm und mit Materialvorteil ins Endspiel ging. Die technische Phase erledigte er gewohnt sicher, allerdings benötigte er etwas Zeit. Arik konnte seine Partie nicht mehr retten, aber das war schon ganz egal. Bronze war uns nicht mehr zu nehmen.
Im Spitzenkampf trennten sich die Rumänen 2-2 von den Ungarn und durch das 2-2 der Ukraine gewannen jene verdientermaßen Gold vor den Ukrainern.
Eine geschlossene Mannschaftsleistung, eine gute Harmonie und der nötige Kampfgeist waren die Schlüssel zum Erfolg. Und natürlich Jan Gustafsson als Kapitän der Mannschaft, der den Jungs die gesunde Mischung aus Lockerheit und Ernsthaftigkeit vermittelte. Seine brillanten Eröffnungskenntnisse muss ich wohl gar nicht mehr erwähnen.
Die Nacht wurde dann sehr kurz, und in den Morgenstunden fuhren wir dann nach langem Feiern wieder zurück. Am Nürnberger Bahnhof trennten sich unsere Wege und alle Spieler behalten hoffentlich zehn schöne Tage am Plattensee in Erinnerung!
Michael Bezold
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