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Vergleichskampf in Leipzig: Altstars gegen Jungstars

am 10. Mai im Leipziger Hauptbahnhof

Endstand: Alt Internationale - Jugendnationalmannschaft 10 - 6

  Teilnehmer           Alter  1   2   3   4   5   6   7   8   Pkte

1 GM Wolfgang Unzicker  (76)                  1   0   1   =   2,5
2 GM Wolfgang Uhlmann   (66)                  1   1   0   1   3,0
3 GM Burkhard Malich    (68)                  =   =   1   0   2,0
4 GM Hans-Joachim Hecht (62)                  1   0   1   =   2,5
5 WGM Elisabeth Pähtz   (17)  0   0   =   0                   0,5
6 GM Arkadij Naiditsch  (16)  1   0   =   1                   2,5
7    Arik Braun         (14)  0   1   0   0                   1,0
8    David Baramidze    (13)  =   0   1   =                   2,0

DSJ-Logo Interessanter Vergleichskampf in Leipzig: Altstars gegen Jungstars
ein Bericht von Schachfreund Martin Neubauer

Der sächsische Schachverband zählt zu den umtriebigsten in Deutschland und schafft es immer wieder, das Schachspiel medien- und publikumswirksam zu präsentieren. Neben der Schachhochburg Dresden (Porzellan-Cup etc.) lässt Leipzig in letzter Zeit vermehrt aufhorchen. Dabei nutzten die Organisatoren bereits zum zweiten Mal den modernisierten Hauptbahnhof, der mittels eines sich über mehrere Etagen erstreckenden Einkaufszentrums belebt wurde.

Im Vorjahr gab hier niemand Geringerer als Gary Kasparow eine vielbeachtete Simultanveranstaltung, bei der er u.a. gegen die Klitschko-Brüder (Kasparow verzichtete auf eine Revanche in deren Metier) antrat. Noch heute erinnern sich die Leipziger an den nahezu tumultartigen Auflauf, den die vielen Zuschauer auslösten. Mehr als tausend Passanten verfolgten spontan das Geschehen, nicht zuletzt von höher gelegenen Etagen aus.

Stand der Ausgang des Matches im vergangenen Jahr im Vorhinein fest, so versprach der diesjährige Vergleichskampf, ausgetragen am 10. Mai anlässlich der 125-Jahr-Feiern des Deutschen Schachbundes, in sportlicher Hinsicht mehr Spannung: In 25-Minuten-Partien maßen sich vielversprechende Nachwuchshoffnungen Deutschlands mit arrivierten Großmeistern. Für die Youngsters traten WGM Elisabeth Pähtz (17), GM Arkadi Naiditsch (16), Arik Braun (14) und David Baramidze (13) an. Auf Seiten der Routiniers gingen der als VÖEST-Legionär in Österreich wohlbekannte GM Wolfgang Uhlmann (66), in den 60er und 70er Jahren ein absoluter Weltklassespieler, GM Wolfgang Unzicker (76), der vor Hübner das Schach in der BRD dominierte, "Endspielpapst" GM Hans-Joachim Hecht (62) und der mehrmalige DDR-Meister GM Burkhard Malich (68) ins Rennen. "Rennen" bzw. rücken mussten allerdings die Jungen, die Alt-Internationalen durften fix an ihren Tischen bleiben.

Elomäßig waren die Altstars zu favorisieren, doch tippten viele auf einen Sieg der Jungen, für die die Bedenkzeit von Vorteil sein sollte, so die Vermutung. Im ersten Durchgang führte der Nachwuchs die weißen Steine und erreichte ein Unentschieden; GM Uhlmann erteilte in seinem geliebten Franzosen der hoch eingeschätzten Elisabeth Pähtz eine Lehrstunde. Ab der zweiten Runde gewannen die Routiniers die Oberhand: Neben der größeren Erfahrung (272 gegen 50 Jahre) gab die disziplinierte Zeiteinteilung den Ausschlag. Während die von GM Klaus Darga betreuten Routiniers oft auf ihr Stellungsgefühl vertrauten, gerieten die Jungen, von Nachwuchstrainer GM Michael Bezold gecoacht, durch intensiveres Rechnen öfter in Zeitnot.

Das Endergebnis fiel mit 10:6 deutlich für die alte Garde aus, hauptverantwortlich dafür GM Uhlmann mit 3/4, aber auch GM Hecht und GM Unzicker scorten 2½/4. Jung-GM Naiditsch war mit seinen 2½ nicht ganz zufrieden; der Jüngste, Baramidze, erzielte beachtliche fünfzig Prozent. Leider wurden die teils sehr gehaltvollen, auf jeden Fall aber spannenden Partien nicht aufgezeichnet und gingen somit der Nachwelt verloren.

Der Kabarettist und starke Hobbyspieler Michael Deutschmann, bekannt und gefürchtet als FRITZ-Stimme, unterhielt mit pointierten Livekommentaren, außer ihm moderierten noch Schiedsrichterlegende GM Lothar Schmid und Cheforganisator Dirk Jordan. Wer die Reaktionen der Zuschauer beobachtete bzw. bei Handy-Telefonaten mitlauschte - "Hallo, hier im Bahnhof spielen Schach-Großmeister, komm, das musst du dir unbedingt angucken!" - konnte feststellen, dass Schach durchaus eine Öffentlichkeit ansprechen kann, die über das Insider-Publikum hinausreicht. Auf die nächstjährige Veranstaltung im Leipziger Hauptbahnhof darf jedenfalls mit Spannung gewartet werden.

Martin Neubauer

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