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Deutsche Schachjugend |
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Auf der Bühne steht eine Stellwand, beklebt mit weißem Papier. Davor ein Tisch mit vier Stühlen, auf ihm viel Papier.
Am Tisch sitzen zwei DSJler und unterhalten sich:
DSJ 1: Oh Mann, wir haben nur noch wenig Zeit und kommen keinen Schritt weiter.
DSJ 2 hebt die Papiere hoch und lässt sie aus den Händen gleiten:
DSJ 2: Stimmt, dabei wollen wir doch auf dem Festakt dem Präsidenten Schlya Pläne für die Zukunft des DSB überreichen.
DSJ 1: Ja aber wir haben doch nichts!
Ein dritter DSJler betritt den Raum, er hält einen Packen Papiere in der Hand:
DSJ 1: Hallo, du hast bestimmt die richtigen Ideen mitgebracht!
DSJ 3: Mir sind einige tolle Sachen eingefallen:
Die beiden DSJler richten sich auf, sind gespannt:
DSJ 3: Man muss das ganze Schach revolutionieren. Zum Beispiel die Figuren anders stellen, die schwarzen und weißen Felder vertauschen, den Bauern neue Aufgaben geben oder auch mit dem letzten Zug anfangen.
DSJ 1 + 2 sacken ins sich zusammen, raufen sich die Haare:
Das hatten wir doch alles schon, das bringt doch nichts, das hat doch sooon Bart ...
DSJ 3: Habt ihr denn was besseres ?
Lässt sich ebenfalls auf einen Stuhl fallen, wirft seine Papiere auf den Tisch.
DSJ 2: Und wenn wir den Auftrag zurückgeben?
DSJ 1+3: Spinnst Du?
DSJ 2: Aber was sollen wir denn machen?
Pause, ratloses umherschauen, suchen in den Papieren.
DSJ 1: Ich hab's, lasst uns Chessy anrufen, der hat uns bisher immer noch geholfen?
DSJ 3: Na klar, das ist die Idee! Wer hat ein Handy?
DSJ 2 wählt, nach einer kleinen Pause spricht er mit Chessy, die anderen beiden rutschen aufgeregt näher, wollen mithören.
DSJ 2: Chessy bist du es? Wir brauchen dringend deine Hilfe. Wir sollen doch auf dem Festakt zum 125. Jubiläum dem DSB Wege in die Zukunft zeigen. Aber irgendwie fällt uns nichts ein. Uns läuft die Zeit davon. Chessy, es ist eilig, bitte komm, hilf uns!
DSJ 1 + 3 aufgeregt:
Kommt er, sag doch was.
DSJ 2 lehnt sich zurück, wartet etwas:
Ja, er ist gleich da.
DSJ 1 + 3: Puh, wir sind gerettet, jetzt kann es losgehen, los lass uns Platz machen.
Die DSJler laufen umher, räumen auf. Chessy trifft ein.
Chessy: Da bin ich, was ist denn los?
DSJ 3: Chessy, du musst uns helfen, wir wissen nicht weiter ...
Chessy: Das ist nicht neu, das kenne ich von euch.
DSJ 1: Es geht diesmal nicht um uns, nein wir brauchen deine Hilfe für den Deutschen Schachbund.
Chessy: Für wen?
DSJ 1: Den Deutschen Schachbund, der feiert Jubiläum. 125 Jahre.
Chessy: Na und ?
DSJ 2: Ja, wir sollen auf der Jubelfeier auftreten und dem DSB sagen, wo's lang geht!
Chessy: Wo's lang geht, beim DSB?
DSJ 1: Nun tu nicht so. Du weißt doch auch, er wird 125 Jahre alt, feiert, ist stolz und will was über seine Zukunft erfahren.
Chessy: Über die Zukunft nach 125 Jahren - hat man da noch eine?
DSJ 3: Man Chessy, du sollst uns nicht verkackeiern, du sollst uns helfen.
Chessy: Was wollt ihr denn wissen, wie man Weltmeister macht? Oder was?
DSJ 1: Ja, eh nein. Der DSB hat uns gebeten, Ideen zu entwickeln, wie's im Schachbund in einigen Jahren aussieht.
Chessy: Na, er wird weiterhin geführt von wichtigen Funktionären, was denn sonst?
DSJ 2: Nein Chessy, eben nicht nur. Der DSB sagt doch, er ist ein moderner Verband, der wohl gerüstet ist für die Herausforderungen der kommenden Jahre!
Ein DSJler nach dem anderen geht an die Stellwand und schreibt wichtige Begriffe an die Wand. In die Mitte das Thema der moderne Verband, darum gruppiert die dazu gehörenden Themen:
DSJ 1: moderner Verband?
Chessy: Wer sagt das?
DSJ 2: Der DSB in seiner Eigendarstellung zur Deutschen Amateurmeisterschaft.
Chessy: Stimmt, die Amateurmeisterschaft ist gut, da wollte ich auch mitspielen.
DSJ 3: Chessy, die Amateurmeisterschaft ist also die richtige Idee für den DSB?
Chessy: Auf jeden Fall, aber zuerst mal zu eurer Aussage, der DSB ist modern! Ist er das wirklich?
DSJ 1: Sagt er, ja.
Chessy: Und warum organisiert er dann Schach nicht modern, zeitgemäß als Event mit viel Action? Wo sind die spektakulären Turniere, wo ist der DSB in den Medien? Warum beschäftigen sich statt dessen die Funktionsträger immer nur mit sich selbst statt mit der Schachförderung?
DSJ 1: Schach als Event
DSJ 2: Er ist also nicht modern?
Chessy: Was ist modern? Schach so anzubieten wie 1877 bei der Gründung?
DSJ 3: Jetzt tust du dem DSB aber unrecht.
Chessy: Wirklich? Was hat sich denn getan? Ok es gibt keine Hängepartien mehr, aber sind wir aus den Hinterzimmern raus gekommen?
DSJ 2: Denk doch an unsere Jugendmeisterschaften!
Chessy: Ihr seid auf dem richtigen Weg, richtig, nur ich denke, wir sprechen über den DSB?
DSJ 1: Aber es gibt doch viele Turniere, Deutschland hat die meisten Turniere auf der Welt.
Chessy: Das stimmt, und ist das ein Verdienst des DSB? Ich sehe nur ständig sinkende Mitgliederzahlen.
DSJ 3: Ja, aber das sind die Zeiten, die sind schlecht, die Interessen ändern sich.
Chessy: Eben! Und deshalb muss das Angebot sich auch ändern.
DSJ 3: Und wie?
Chessy: Endlich begreifen, dass Schach mehr ist als Elo 2700!
DSJ 1: Mehr als Elo 2700? Was heißt das denn?
Chessy: Wir richten uns in der DSJ doch auch an allen Schachspielern aus, an den Leistungsinteressierten und an den Hobbyspielern, für die Schach die schönste Nebenbeschäftigung der Welt ist! Und das sind viele, sehr viele!
DSJ 2: Breitenschach
DSJ 1: Der DSB braucht jedoch den Erfolg, nur dann zahlt der Bundesinnenminister!
Chessy: Das ist doch ein Problem des Bundesinnenministers! Der würde doch auch kein Geld bekommen, so wie er spielt, dafür mag er, liebt er Schach! Und das ist doch das wichtigste! Deshalb setzt er sich für Schach ein!
DSJ 2: Der DSB sollte sich also verstärkt der Mehrheit der Schachspieler zuwenden?
Chessy: Nein er sollte nicht, er muss! Das ist zwar ein Spagat und für viele Leute natürlich nicht einfach! Interessiert sind alle am Leistungsschach. Jeder freut sich über Topleistungen der deutschen Nationalspieler.
DSJ 3: Also doch Leistungssport?
Chessy: Na klar Leistungssport, aber nicht nur.
DSJ 1: Leistungssport
Wie gesagt, jeder freut sich über Doc Hübner und all die anderen. Ernst genommen werden will aber jeder, und jeder will auf ihn zugeschnittene Angebote bekommen.
DSJ 2: Und deshalb hat der DSB gerade die Konzeption Breitenschach verabschiedet.
Chessy: Na toll, und darin steht, es gibt zwei Säulen, den Breitensport und den Leistungssport. Und gerade das wollte der Kongress gestrichen haben.
DSJ 3: ½ + ½ = DSB
DSJ 2: Er hat aber nichts gestrichen.
Chessy: Stimmt, dafür aber den Vizepräsidenten Breitenschach. Wichtig ist jedoch nicht, für was die Delegierten die Hände heben, sondern was sie tun. Und was tun sie für Breitenschach?
DSJ 1, 2: Na ja, der DSB macht, er will, er plant ...
Chessy: Na kommt, konkreter bitte. Was denn nun?
DSJ 1: Der Tag des Schachs zum Beispiel?
Chessy: Jaja, "jung gegen alt" - hört sich ja sehr spannend an.
Aber im Ernst: die Idee ist ja schon gut! Im Prinzip ist der Tag des Schachs richtig, denn Schach muss in die Öffentlichkeit. Und der DSB muss erkennen, dass von den ca. 92.000 Mitgliedern mindestens 90 Prozent das Schachspiel lieben, zu Mannschaftskämpfen fahren, Wochenenden dran geben, aber niemals Weltmeister werden.
Sie wollen ernst genommen werden! Sie müssen zu jeder Zeit an jedem Ort Schach spielen können, spontan ohne zu große Formalitäten wie Spielerpässe, Spielgenehmigungen, Ein- und Austritte. Nein, wer Lust hat, muss spielen können, sofort, problemlos.DSJ 1: Schach: immer + überall
DSJ 3: So wie bei der Amateurmeisterschaft?
Chessy: Genau, das war der erste Schritt in die richtige Richtung. Der DSB muss, diese Zielgruppe erkennen und für sie was bieten.
DSJ 2: Aber wie denn, das ist doch die Frage?
Chessy: Schach muss allen zugänglich gemacht werden. Es muss aus den Hinterzimmern raus. Vielfältige Angebote für alle Gruppen, für die Familienmitglieder, für die Freunde müssen entwickelt werden. In die Parks und Stadtzentren gehören öffentliche Schachbretter. Promis bekennen sich offen zum Schachspiel. Der Schachspieler muss zeigen, das er gern Schach spielt. Der DSB muss dafür sorgen, dass ein Ruck in Sachen Schach durch Deutschland geht.
DSJ 3: Schach in die Öffentlichkeit
DSJ 1: Das klingt ja toll, aber wie machen wir das?
Chessy: Natürlich ist das nicht einfach. Da muss der DSB schon umdenken. Sich weniger mit sich und Formalien beschäftigen, weniger Schach verwalten, mehr Schach fördern. Er muss mit aller Power und Geld auf die Öffentlichkeitsarbeit setzen. Schach muss ein Wert werden in der Gesellschaft, damit auch die Veronas und Naddel-Daddels darauf fliegen.
DSJ 3: Poster mit Verona
DSJ 3: Verona und Naddel-Daddel - das klingt gut.
Chessy: Es darf nur nicht zu viel genaddelt werden, immerhin ist Schach ein Spiel mit Niveau, ein Sport für's Gehirn. Darum muss es auch so verkauft werden, zum Beispiel mit anderen Kulturangeboten.
DSJ 3: nimmt Poster wieder ab
Aber zugleich muss Schach auch mit der Zeit gehen, sich den gesellschaftlichen Veränderungen anpassen. Andere Spielformen, kürzere Bedenkzeiten, Turniere mit Rahmenprogramm und Stil und vor allem Schach im Internet auf einer DSB Plattform.
DSJ 1: Schach mit zeitgemäßen Ideen
DSJ 2: Schach im Internet ist ein alter Hut
Chessy: Das ist richtig, aber eben nicht für den DSB. Da ist doch Internet für viele noch ein Teufelszeug und dient höchstens der Selbstdarstellung. Alle bieten Schach im Internet an, nur der DSB nicht. Es gibt Internetclubs mit über 1000 Mitgliedern außerhalb des DSB. Der DSB muss Sensoren entwickeln für Strömungen in der Gesellschaft und diese zeitnah aufgreifen, natürlich vor den Kommerziellen.
DSJ 2: Trends erkennen - Trends aufgreifen
DSJ 1: Da hast du recht, das ist eine wichtige Forderung für die DSB-Zukunft.
DSJ 3: Aber die Menschen ohne Computer?
Chessy: Die dürfen nicht vergessen werden, das ist klar. Denen muss vor allem der Zugang zum Schach vereinfacht werden. Weg mit den Formalien! Nicht immer gleich auf Mitgliedschaft schauen.
DSJ 3: weg mit den Formalien
DSJ 2: Also den einzelnen Schachspieler als Zielgruppe und nicht nur die Landesverbände und die Funktionäre?
Chessy: Genau, die Strukturen, ob nun DSB oder Landesverbände, sind doch hauptsächlich Dienstleister für den Schachsport und den Schachspieler.
DSJ 3: Schachspieler als Zielgruppe
Das ist ihr satzungsgemäßer Auftrag, den es zu erfüllen gilt. Derzeit kümmert man sich doch aber zu 90% nur um die Strukturen und sich selbst!
DSJ 1: Oh je, das bedeutet ja totales Umdenken!
Chessy: Warum nicht?
DSJ 2: Na ja, schau dir doch den DSB und seine Landesverbände an?
Chessy: Was, plötzlich zweifelt ihr?
DSJ 1: Nein, ja, wir versuchen dies ja, wir leben das dem DSB vor. Aber dann kommen immer wieder die Zweifler aus den Landesverbänden, die Bedenkenträger und Besserwisser, die sogar meinen, sie könnten Jugendschach besser organisieren als wir.
Chessy: Bedenkenträger, eines der derzeitigen Zauberworte des DSB. Gefragt sind aber für die Zukunft Ideengeber, Leute mit Visionen. Ihr merkt das doch auch. Die Mitglieder, bei euch die Jugendlichen, ziehen doch mit, sind offen für neue Ideen.
DSJ 2: Ideengeber ran lassen
DSJ 3: Die Mitglieder werden doch beim DSB gar nicht gefragt.
Chessy: Leider ist das derzeit so, und dass muss in den nächsten 125 Jahren anders werden. Denn die Mitglieder sind viel schneller, moderner als die Verbandsspitzen!
DSJ 3: Huch?
Chessy: Es gibt da eine wichtige Formel: Die Spitzen des Verbandes schauen immer so viel nach hinten wie die Mitglieder nach vorne.
DSJ 2: Verbandsspitze "runter" # Mitglieder "hoch"
DSJ 3: Das stimmt, aber ...
Chessy: Und die Zukunftsgleichung heißt: Wenn die Spitzen des Verbandes genauso so intensiv nach vorne schauen wie die Mitglieder, dann gehört dem Verband die Zukunft!
DSJ 2: Verbandsspitze + Mitglieder = Verband "hoch"
DSJ 1: Ist die Formel auch zu beweisen?
Chessy: Na die DSJ ist doch der Beweis!
DSJ 2: Wir reden nur leider über den DSB und nicht über uns.
Chessy: Wo bleibt eure Zuversicht?
DSJ 2: Ok, du hast recht, also die zentrale Frage: Gehört dem DSB die Zukunft?
Chessy: Im Prinzip ja, wenn der Verband es will. Er muss den Mut zur Veränderung aufbringen. Die DSB-Funktionäre müssen sich daran erinnern, dass sie auch mal Schach geliebt haben.
DSJ 2: Mut zur Veränderung
DSJ 3: Und was sollen sie hauptsächlich in den nächsten Jahren anpacken?
Chessy: Alles das was ich euch gerade Punkt für Punkt aufgezählt habe. Das müsst ihr festhalten, an den DSB weitergeben.
Aber einen wichtigen Punkt habe ich noch: Der Bund muss die Verein kampagnefähig machen und sie dabei von allen Ebenen unterstützen. Die Vereine vor Ort sollen sich in der Öffentlichkeit zeigen.DSJ 2: Vereine unterstützen
DSJ 1: Chessy, wenn man sich das alles so überlegt, das hat alles Hand und Fuß, das klingt gut. Du hast uns mal wieder richtig geholfen.
DSJ 3: Ach was, nicht uns, diesmal vor allem dem DSB.
DSJ 1: DSB ein moderner Verband !
Das ? wird zum !Chessy: Kein Problem, das mach ich doch gern. Jetzt muss ich aber gehen, mich hat der neue Weltmeister im Internet herausgefordert ...
DSJ 2: Klar Chessy, spiel du nur gegen den Weltmeister, davon kannst du uns ja bei der DEM in Winterberg erzählen, da sehen wir uns wieder!
Chessy: Ok bis dann, hoffentlich mit vielen Spitzenfunktionären des DSB, und vielleicht schaut ja auch der Bundesinnenminister vorbei und macht sich dann ein Bild vom lebendigen Schach in Deutschland! Vom 18 - 26. Mai! Alle sind herzlich eingeladen!
Chessy geht seitwärts hinter die Stellwand, die DSJler packen ihre Sachen zusammen und legen ihre Mitschriften in eine Schreibmappe. Die drei DSJler gehen zum Rednerpult
DSJ 1: Sehr geehrte Festversammlung, die DSJ erhielt den Auftrag, sich Gedanken über die Zukunft des DSB für die nächsten 125 Jahre zu machen. Nach vielen Diskussionen haben wir diese Aufgabe gemeistert und freuen uns, Ihnen Herr Schlya, dem Präsidenten des DSB, die Zukunftsideen nun überreichen zu können.
Sie gehen von der Bühne runter und auf Alfred Schlya zu. Sie überreichen dem Präsidenten die Schreibmappe der DSJ.
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