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Deutsche Schachjugend |
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Michael Bezold schreibt:
vom 24.02. - 04.03.2001 findet im Hotel Pulvermuehle ein Jugendländerkampf zwischen Deutschland und Niederlande statt. Höhepunkt neben dem Länderkampf ist das Training mit den Startrainern Artur Jussupow und Mark Dvoretski, alle notwendigen Infos sind unter www.pulvermuehle.de zu finden, kommentierte Partien des Matches schicke ich als Anhang.
Bericht 1: [von Michael Bezold]
Bericht über den ersten Länderkampf der Jugendnationalmannschaften Deutschland und HollandIm Rahmen des Internationalen Jugendtreffens in der Pulvermühle trugen die Nationalmannschaften beider Länder einen Vergleichskampf aus. Die Veranstaltung war beim Weltschachverband FIDE angemeldet und damit für die Auswertung der internationalen ELO Zahl berechtigt. Gerade diese Bewertung, ähnlich der Weltranglistenpunktezahl im Tennis, favorisierte das holländische Team. Elo Leistungen von 2570, die dem Niveau eines Großmeisters entsprechen, viele Titel auf internationalen Parkett und die etwas größere Erfahrung aufgrund ihres höheren Altersdurchschnittes des Jugendteams der Oranjes standen der Unbekümmertheit, den großen Talenten und dem Kampfgeist der deutschen Nachwuchstruppe gegenüber. Beiden Seiten merkte man die große Anspannung während des Tages an. Der Moskauer Spitzentrainer Mark Dvoretski absolvierte am Morgen ein Aufwärmprogramm, das für diese Art von Wettkämpfen typisch ist. Keine langen Varianten oder spezielle Kenntnisse über Eröffnungen wurden gezeigt, sondern die Schützlinge mussten ein Serie von Aufgaben mittels schneller Auffassungsgabe gepaart mit Intuition lösen. Danach wurden beide Teams von ihren Trainern Jop Delemarre und Michael Bezold auf das Match eingestimmt, und nach leichter Kost am Mittag liefen pünktlich um 14.00 Uhr die schwarzen Uhren. Die Eröffnungsphase wurde in allen Partien schnell beendet, so dass klar war, beide Mannschaften waren gut auf ihrem Gegenüber eingestellt.
Als erste musste sich die Hamburgerin Leonie Helm dem Vizeweltmeister U 14 Daniel Stellwagen geschlagen geben. In der Französischen Partie kam der Holländer schnell in Vorteil, verteidigte sich geschickt gegen die Angriffe und schoss die Oranjes in Führung. Den Ausgleich erzielte der Vize-Europameister Arik Braun. Der Deutsche kam in einer modernen Variante besser aus den Startlöchern, stellte eine teuflische Falle, in die sein holländischer Kontrahent Erwin l'Ami auch prompt hineintappte. Seinen Materialvorsprung führte er sicher zum Sieg.
Eine ganz starke Leistung zeigte der Dortmunder David Baramidze. Eine Unaufmerksamkeit Jan Smeets bestrafte der zwölfjährige im Stile eines Meisters. Mit Präzision und starken Zügen zwang er den Schwarzen in die Knie, was die zwischenzeitliche Führung des Gastgebers bedeutete. Die Holländer konterten und die für Dresden spielende Bundesligaspielerin Tina Mietzner musste nach guter Eröffnungsphase die Segel streichen. Dabei hatte sie nach eigener Aussage die in der Analyse festgestellte beste Zugfolge gesehen, aber falsch eingeschätzt.
Zwei zu zwei bei noch zwei ausstehenden Partien. Beide Kämpfe waren sehr kompliziert, und es war klar, die Zeitnot würde eine Entscheidung herbeiführen. In der sizilianischen Variante wehrte sich der Heilbronner Hannes Rau am Spitzenbrett mit kühlem Kopf, packte die Gelegenheit beim Schopf und konterte seinen Elo stärkeren Gegner Jan Werle nach allen Regeln der Kunst aus. Beide hatten schon vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft in Spanien das Vergnügen gegeneinander anzutreten. Der Sieger heute wie damals war der Hannes Rau. Vor der letzten Partie stand es 3-2 für das junge deutsche Team. Für die Experten bedeutete dieses Resultat schon eine Riesenüberraschung. Der Mönchengladbacher Ilja Zaragatski probierte in der letzten ausstehenden Partie alles, wich mehrmals einer Punkteteilung aus, setzte alles auf eine Karte, unterschätzte aber trotz Materialvorteils einen Freiabauer, der schließlich den Gewinn des Holländers sicherstellte.
"Ein leistungsgerechtes Unentschieden zwischen beiden Teams" stellten die Startrainer fest. Sofort nach Beendigung der Partien wurden diese von Artur Jussupow kritisch unter die Lupe genommen, Verbesserungen vorgeschlagen, und die Akteure konnten viele wertvolle Tipps mit auf dem Weg nehmen.
Am Freitag findet um 14.00 das Rematch statt, und es wird sich zeigen, wer die Geheimnisse der russischen Schachschule schneller verinnerlicht hat.
Bericht 2: [von Michael Bezold]
Bericht über den Rückkampf Deutschland gegen HollandIm Rahmen des Internationalen Jugendtreffens ging nach einer Woche Intensivtraining der Rückkampf zwischen den Jugendnationalmannschaften aus Deutschland und Holland in der Pulvermühle bei Waischenfeld über die Bühne. Nach dem ausgeglichenen Eröffnungsmatch herrschte große Spannung, wer die Nase beim Rematch vorne haben sollte. Vormittags wurde wieder ein leichtes Aufwärmtraining für die Rechenfähigkeit durchgeführt, und gestärkt mit Fischfilet gingen alle nach kurzem Spaziergang an die Bretter. Die beiden Trainer einigten sich auf eine Änderung der Aufstellungen.
Schon nach wenigen Minuten unterlief David Baramidze, der den Spitzentrainern besonders aufgefallen ist, ein folgenschwerer Fehler, der einen ganzen Turm kostete. Er versuchte zwar noch im Trüben zu fischen, aber sein holländischer Kontrahent Daniel Stellwagen ließ ihn nicht mehr von der Angel. Diese schnelle Führung der Oranjes verursachte Unsicherheit bei der jungen deutschen Truppe. Die anderen Bretter befanden sich nach den ersten zwei Stunden noch im Gleichgewicht. Eine messerscharfe Stellung entstand am Spitzenbrett. Ilja Zaragatski opferte in der Sizilianischen Variante einen Bauern, erhielt im Gegenzug starken Angriff. Jan Werle verteidigte sich geschickt, so endete die Partie nach Zugwiederholung im Remishafen. Eine Vorentscheidung folgte in der Partie der einzigen deutschen Dame Leonie Helm. Die Hamburger Bundesligaspielerin baute sich nach den Vorbildern des Igels auf, hatte eine feste Position, unterschätzte dann aber einen Königsangriff von Erwin l'Ami, der schon in der 1.Division der Holländischen Liga spielt. Nach dieser Niederlage mussten die zahlreichen Zuschauer einen 2,5-0,5 Rückstand für Deutschland feststellen.
Ein Hoffnungsschimmer keimte auf, als Hannes Rau den Europameister U 14 Marc Erwich im Mittelspiel überlistete. In ausgeglichener Position wich er einer Zugwiederholung aus, riskierte viel und wurde schließlich mit einem vollem Punkt belohnt. Er gewann als einziger Deutscher beide Partien.
Aber kurze Zeit später war klar, nur ein Wunder könnte den drohenden Verlust noch abwenden. Der Lokalmatador Axel Heinz musste nach interessantem, aber etwas zu passiver Spielanlage eine Niederlage quittieren. Er kämpfte lange, aber sein routinierter Gegner Frank Erwich spielte seinen Materialvorteil sicher nach Hause.
Eine harten Kampf lieferten sich der Vizeeuropameister Arik Braun und Jan Smeets, der bereits eine IM Norm vorweisen kann. In der Taimanov Variante besaß der Holländer die etwas bessere Perspektive. Eine Ungenauigkeit nach einer strapaziösen Woche und die Partie war für Arik gelaufen.
So stand es schlussendlich 4,5 - 1,5 für unsere Gäste.
In Anbetracht der nominellen Überlegenheit und eines höheren Altersdurchschnitts geht dieser Sieg in Ordnung. Beide Seiten sind sich einig, dass es auf jeden Fall eine Neuauflage dieses Jugendtreffens geben soll.
Partien im PGN-Format mit Kommentaren
von Artur Jussupow, Mark Dvoretski und den Spielern
- Die sechs Partien der ersten Runde, gespielt am 25. Februar 2001
Helm, Leonie - Stellwagen, Daniel 0-1 Braun, Arik - L'ami, Erwin 1-0 Baramidze, David - Smeets, Jan 1-0 Erwich, Marc - Mietzner, Tina 1-0 Werle, Jan - Rau, Hannes 0-1 Erwich, Frank - Zaragatski, Ilja 1-0- Die sechs Partien der Rückrunde, gespielt am 02. März 2001
Holland Deutschland 1 Jan Werle remis Ilja Zaragatski 2 Jan Smeets 1 - 0 Arik Braun 3 Frank Erwich 1 - 0 Axel Heinz 4 Erwin l'Ami 1 - 0 Leonie Helm 5 Marc Erwich 0 - 1 Hannes Rau 6 Daniel Stellwagen 1 - 0 David Baramidze 4,5 - 1,5
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