DSJ-Logo

Deutsche Schachjugend
Nachrichten, Die Schachjugend,
Spielen und Training, Schulschach,
Jugendarbeit, Vereinshilfe, Terminkalender

Chessy

DSJ - FORUM
Ausgabe 1998 - 06


16 Thesen zur Mitarbeit der Jugend in den Verbänden, Teil 2

Im FORUM 4/98 haben wir mit dem Abdruck von Thesen zur Mitarbeit von Jugendlichen in Verbänden mit aktuellen Bezügen zur Situation der Deutschen Schachjugend begonnen. In loser Folge werden weitere Thesen veröffentlicht und erläutert.

These 3: Formale Eigenständigkeit verfehlt ihr Ziel, wenn es letztlich doch die Erwachsenen sind, die die Interessen der Kinder und Jugendlichen vertreten bzw. zu vertreten vorgeben.

Bezug zur Deutschen Schachjugend:

Eine der Hauptideen der Eigenständigkeit von Jugendorganisationen ist es, junge Leute an die Organisation, an die Verantwortung, an die Lösung von Problemen heranzuführen und zwar in ihrem eigenen Bereich, den sie am besten überschauen. In der Praxis von Jugendverbänden sieht es jedoch zumeist so aus, daß Erwachsenen, ältere Herrschaften die Organisation fest im Griff haben. Dafür gibt es Gründe, auch das nicht sehr große Interesse von Jugendlichen ist einer, nur muß man wiederum fragen, worin dieses Desinteresse begründet liegt. Zu einem guten Teil auch daran, daß denjenigen, die sich engagieren wollen, immer wieder deutlich von den Etablierten gezeigt wird, daß man sie nicht ernst nimmt, ihnen einige Spielwiesen läßt, sie aber nicht an die wirklichen Themen herankommen. In der Deutschen Schachjugend sieht dies nicht anders aus, und zwar Schachjugend verstanden als Bundesebene, Landesebene bis hinunter in die Vereine.

Dabei müssen Jugendliche sehen, daß entwickelte Ideen und Konzepte auch umgesetzt werden, sonst verliert die Organisation ihre Glaubwürdigkeit. So entwickelten zum Beispiel die Jugendsprecher aus allen Organisationsstufen auf einem Lehrgang „Konzepte zur Gestaltung der Beteiligung bei dem Bundesjugendtreffen der Deutschen Sportjugend 1997 in Dessau“. Nur als die Frage beim nächsten Lehrgang auftauchte, „was ist daraus geworden“, war die Ernüchterung groß, daß die Landesverbände, in deren Vorständen sie ja sitzen, überhaupt kein Interesse zeigten, sich am Bundesjugendtreffen zu beteiligen und die Konzepte in den übergroßen Schubladen des Verbandes verschwanden. Oder ein anderes Beispiel: Die Jugendsprecher entwickelten auf einem Lehrgang jugendgerechte Werbeslogans. Auch diese liegen derzeit nur in einer der übergroßen Schubladen ...

Die Wege innerhalb der Strukturen eines Verbandes sind Jugendlichen auch zu lang. Wenn sie etwas entwickelt haben, möchten sie sehen, was daraus entsteht. Darum: Der Abstand zwischen der Entwicklung einer Idee und deren Umsetzung darf nicht zu lange sein. Für Jugendliche ist ein Zeitraum von mehreren Jahren zur Realisierung eines Projektes nicht realistisch. Nach der Beteiligungsspirale die von Prof. Dr. Stange aus Lüneburg entwickelt wurde, dürfen zwischen dem Vorlauf über die Zukunftswerkstatt, dem Planungszirkel, der Realisierung und der späteren Nutzung allerhöchstens 1-2 Jahre vergehen.

Die Partizipation darf sich nicht nur auf die erste Phase der Beteiligungsspirale beziehen, sondern muß auch in der konkreteren Umsetzung fortgeführt werden, In unserem Beispielfall: Die entwickelten Konzepte zum Bundesjugendtreffen werden auch von den Jugendlichen umgesetzt. Daß heißt, das die Jugendlichen Verhandlungen führen, bei der Ortsbegehung beteiligt sind und einen Teil der Organisation übernehmen, was natürlich nicht ohne hauptamtliche und professionelle Hilfe funktioniert. Genauso sollte auch bei der Planung von Turnieren, den Einzelmeistrschaften vorgegangen werden, um den Spielbetrieb miteinzubinden.

Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, aber gerade auch die Jugendsprecherlehrgänge der DSJ mit starker Beteiligung aus allen Ebenen zeigen, daß es genügend aktive Jugendliche gibt, die Ideen entwickeln und mit anpacken wollen. Nur lassen müßt Ihr sie!

These 4: Kinder und Jugendliche brauchen Vor- und Leitbilder, um den Gedanken der Mitbestimmung als erstrebenswert einzuschätzen.

Bezug zur Deutschen Schachjugend:

Die Deutsche Schachjugend muß mit einem vorbildlichen Partizipationsmodell anfangen, um die Landesverbände und die Jugendlichen zum Mitmachen anzuregen. Die Erfolge, die aus solchen Projekten entstehen, müssen entsprechend gelobt und gefördert werden.

Auch hier verdient die noch junge Jugendsprecherarbeit der DSJ Erwähnung. Durch das Etablierung des Jugendsprechers in der DSJ , das Vorbild des Bundesjugendsprechers wurden Beispiele gegeben, die in die Länder und die unteren Ebenen hineinwirken. Aber auch dies geschieht nicht von alleine. Denn Beispiel geben kann man in beide Richtungen, wenn zum Beispiel ein aktiver Jugendsprecher bei Gremientagungen in seiner Arbeit behindert wird. Dann strahlt man folgende Signale an andere Jugendliche aus: „Egal wie gut man ist, da hat man eh keine Chance, ich laß’ da die Finger von weg“. Es liegt nicht nur an den Personen selbst, ob sie Vorbilder, Leitbilder werden, die Organisation trägt die eigentliche Verantwortung dafür! Ein Blick in das tägliche Marketinggeschehen bietet genügend Beispiele.

Zum „Machen von Leitbilder“ gehört auch die gezielte Herausstellung, Ehrung von erfolgreichen jugendlichen Funktionären, Spielern, die allerdings jugendgerecht sein sollte.

Mögliche Formen einer jugendgerechten Ehrung wären zum Beispiel:

(Alle Vorschläge wurden aus der Arbeitshilfe "Jugend für Jugend" der Deutschen Sportjugend entnommen und gelten für alle Ebenen.)

Außerdem muß beachtet werden, daß die Fluktuation in der heutigen Jugendkultur außerordentlich hoch ist, so daß eine Ehrung nicht erst nach jahrelanger Tätigkeit, wie es bei den Erwachsenen die Regel ist, erfolgen kann.

Patrick Wiebe / Bundesjugendsprecher
Jörg Schulz


Breitenschacharbeit in der Deutschen Schachorganisation

Im Juni fand in Dortmund eine Tagung der Referenten für Breitenschach statt. Mit dieser Tagung sollte ein Signal in die Länder geschickt werden, daß dieses Aufgabengebiet für die Entwicklung der Schachorganisation in Deutschland von großer Bedeutung ist. Bisher ist dieser Eindruck noch nicht sehr verbreitet. Das Vorstandsamt ist in mehreren Ländern und in den Unterorganisationen nicht besetzt, eine Kontinuität ist oft nicht gegeben, eine finanzielle Unterstützung wird selten gewährt, eigene Etattitel sind nicht vorhanden, und vor allem in kaum einem Land gibt es eine richtige Aufgabenbeschreibung für den Bereich Breitenschach.

Egon Ditt, Präsident des Deutschen Schachbundes, skizzierte auf der Tagung die Arbeitsfelder im Breitenschach und deutete die Entwicklungslinien des Deutschen Schachbundes an:

Breitenschach ist der Gegensatz zum Spitzenschach, nicht jedoch zum Leistungsschach, denn darunter gruppieren sich die 100.000 Mitglieder des DSB ein. Breitenschach ist ein Schwerpunkt der DSB-Arbeit. Die bisher gebrauchten Begriffe Breiten- und Freizeitschach sollten zusammengefaßt werden zum Begriff Breitensport. Das Augenmerk des DSB ist aber auch auf die große Zahl der Freizeitschachspieler (ungefähr 16 Millionen) gerichtet, sie sind das Reservoir des DSB für neue Mitglieder. Breitenschach erbringt Leistungen und gibt Anregungen für Vereine, die ihre Mitglieder halten oder neue finden wollen.

Der Deutsche Schachbund hat sich von einer Mitgliederstärke in Höhe von 20.000 in der Nachkriegszeit bis auf jetzt knapp 100.000, zuletzt bedingt durch die Vereinigung der beiden Deutschen Schachverbände, entwickelt. In den achtziger Jahren trat eine Stagnation ein durch die geburtenschwachen Jahrgänge. Der DSB verzeichnet Mitgliedergewinne in den Altersbereichen bis 14 Jahre, in allen übrigen Altersbereichen werden Mitglieder verloren.
Nur mit Breitenschachaktivitäten können Vereine bewegt werden, sich den Aufgaben der Mitgliederhaltung und -gewinnung zu stellen. Dabei ist die Vielfalt der Vereinsausrichtungen ein Pluspunkt, der unterstützt werden muß.

Der Weg des DSB sieht wie folgt aus:

Der Ansprechpartner in den Vorständen für diese unterschiedlichen Aufgabenstellungen ist der Referent für Breitenschach.

Die Arbeitsfelder im Breitenschach

In der Deutschen Schachjugend wurde im Zuge der Einführung des Konzeptes „DSJ 2000“ das Referat im DSJ - Vorstand umbenannt, aus dem Referenten für Breitensport wurde der Referent für Allgemeine Jugendarbeit. Wird damit nun nach außen verdeutlicht, daß dieser Referent andere Aufgaben hat als die Referenten für Breitenschach?

Nein auf keinen Fall. Die Aufgabenbeschreibung ist deckungsgleich. Nur hat man sich in der Schachjugend der Bezeichnung des Kinder- und Jugendplanes des Bundes und den gebräuchlichen Bezeichnungen in den Sportjugend angepaßt, zudem gab es immer wieder Verständnisprobleme mit dem Begriffen „Breitensport“ oder „Breitenschach“. Die jetzt gebräuchliche Bezeichnung „Allgemeine Jugendarbeit“ streicht hingegen sofort heraus, daß es sich um das gesamte Spektrum von Jugendarbeit um das reine Sporttreiben herum handelt.

Für diese Felder der Jugendarbeit sind die Hilfsmaterialien zu erstellen, über diese Felder der Jugendarbeit erreicht und motiviert man neue Jugendkreise, durch diese Felder der Jugendarbeit erhalten Veranstaltungen den Kick, daß sie als bundesweit, attraktive Ereignisse bezeichnet werden können, mit denen die Öffentlichkeit gewonnen werden kann.

Wer einen Unterschied zwischen dem Referenten für Allgemeine Jugendarbeit und den „klassischen Referenten für Breitenschach“ herausarbeiten will, liegt falsch. Die Ziele und Aufgaben sind die gleichen, nur der Referent für Allgemeine Jugendarbeit beschäftigt sich mit einem Ausschnitt des großen Betätigungsfeldes.

Jörg Schulz


Marketingkonzept des DSB erhältlich

Der Kongreß des Deutschen Schachbundes verabschiedete in diesem Jahr in Baden-Baden das Marketingkonzept des DSB. Dieses Konzept, das für die beiden Zielgruppen „Kinder und Jugendliche“ und „Jugendliche im Übergang (18 bis 25 Jahre)“ erarbeitet wurde, ist als DIN A5 - Broschüre zum Preis von 5,- DM plus Porto in der Geschäftsstelle, Hanns-Braun-Str. Friesenhaus I, 14053 Berlin, Fax.: 030 / 823 32 60 erhältlich.

Dieses Konzept soll bis Ende des Jahres in möglichst allen Organisationsebenen intensiv diskutiert werden. Ab 1999 erfolgt schrittweise die Umsetzung, für 2002 ist eine große bundesweite Werbewoche im Kinder- und Jugendbereich geplant. Alle Ebenen des DSB können von dem Marketingkonzept profitieren, da es für alle Ebenen Anregungen und Ideen parat hält.


Impressum DSJ-FORUM

Herausgeber: Deutsche Schachjugend
http://Deutsche-Schachjugend.de/
Verlag: JugendSchachVerlag, Partner der Deutschen Schachjugend
Redaktionsanschrift: Geschäftsstelle Deutsche Schachjugend, Jörg Schulz, Hanns-Braun-Str. Friesenhaus I, 14053 Berlin.

Das DSJ-FORUM ist das Informationsblatt der Deutschen Schachjugend. Es erscheint 10 mal im Jahr als Beilage der Zeitung JUGENDSCHACH.
DSJ-FORUM wird gefördert aus Bundesmitteln des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

* * *

Zum Anfang des Dokumentes
Zurück zu Deutsche Schachjugend
Zu Deutsche Schachorganisationen

Archiv | Antwort zu häufig gestellten Fragen (FAQs) | Suchfunktion | Impressum
© 1.98 by Gerhard Hund (TeleSchach) für die DSJ in der Deutschen Sportjugend | Update 18.11.2001