DSJ-Logo

Deutsche Schachjugend
Nachrichten, Die Schachjugend,
Spielen und Training, Schulschach,
Jugendarbeit, Vereinshilfe, Terminkalender

Chessy

DSJ - FORUM
Ausgabe 1998 - 07


Bundestagswahl 98: Heiße Phase hat begonnen

„Weltklasse für Deutschland", „Es sind Ihre Steuern", ,,-Cool - PDS"! Überall sind sie plakatiert die Sprüche der Marketingfachleute, die meinen zu wissen, womit der Wähler zu ködern ist.

Dabei sollten doch eigentlich Argumente und Lösungsvorschläge für die anstehenden Probleme gefragt sein, wenn es um die Entscheidung geht, wer wählt wen. Doch wie sieht es damit aus?

Die Deutsche Sportjugend, ein Teil davon sind wir als Schachjugend in den Vereinen, Bezirken, Ländern und auf Bundesebene, hat den Versuch gestartet, die Jugendbelange in den Wahlkampf zu bringen; Argumente als Fragen an die Politiker von denjenigen gestellt, die täglich mit der Arbeit für und mit Kindern und Jugendlichen beschäftigt sind, so wie Ihr und wir.

Argumente, Fragen um Probleme, die uns alle angehen, ob nun Fußballer, Skater oder Schachspieler, denn mit Aussiedlerkindern haben wir alle zu tun, mit der schleichenden Armut im Jugendbereich, mit den immer weniger werdenden Freizeitmöglichkeiten, mit der steigenden Jugendfeindlichkeit der Gesellschaft.

Die Sportjugend fordert uns alle auf, im Wahlkampf die Fragen und Forderungen an die Kandidaten zu stellen.

Warum sollen wir uns nicht aufgrund ihrer Antworten auf unsere Fragen und Forderungen entscheiden, wen wir wählen?

Jörg Schulz


Bessere Chancen für Kinder und Jugendliche

Forderungskatalog der Deutschen Sportjugend zur Bundestagswahl 1998

Sportvereine und Sportverbände stellen für Kinder und Jugendliche ein flächendeckendes, attraktives, kostengünstiges und leistungsstarkes Aktionsfeld bereit. Auf ihm stehen ihnen vielfältige und auf ihre Interessen und Bedürfnisse abgestimmte Angebote zur sinnvollen Gestaltung der Freizeit zur Verfügung.

Der Sport stärkt den natürlichen Lebenswillen, schafft Selbstvertrauen und Selbstbewußtsein. Er leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Erziehung und Bildung von jungen Menschen und ist für die gesamte Gesellschaft in zunehmenden Maße unverzichtbar.

Die besondere Bedeutung des Sports für die körperliche und geistige Entwicklung sowie für die Lebensperspektive und gesellschaftliche Integration vor allem der jungen Generation, dürfte hinlänglich bekannt sein. Trotzdem gibt es für den Vorstand der DSJ gute Gründe, sie aus Anlaß der diesjährigen Bundestagswahl eindringlich bewußt zu machen. Denn es gibt erschreckend deutliche Anzeichen dafür, daß die gesellschaftliche Krise die Jugend erreicht hat.

Deshalb fordert der DSJ-Vorstand - als bundeszentraler Interessenvertreter aller in ca. 86.000 Vereinen organisierten Kinder und Jugendlichen - alle im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien sowie alle Kandidatinnen und Kandidaten zur Bundestagswahl 1998 dazu auf, vor allem für

wirkungsvolle Politik zu machen.

Gleichzeitig fordert er alle gewählten Jugendvertreterinnen und -Vertreter in Sportvereinen und -verbänden dazu auf, den nachfolgenden Forderungskatalog zum Inhalt von Gesprächen und Diskussionsveranstaltungen mit den Kandidatinnen und Kandidaten für den neuen Deutschen Bundestag zu machen.

Die Kinder- und Jugendorganisationen repräsentieren einerseits den sportlichen Nachwuchs unter den 26 Mio. Mitgliedern im Deutschen Sportbund. Sie sind als anerkannte Träger der freien Jugendhilfe nach dem Kinder- und Jugendhilfe-Gesetz (KJHG) aber auch ein bedeutender Teil der staatlicherseits zu gewährleistenden Jugendförderung. Dieses im Wahljahr 1998 allen politisch Verantwortlichen und besonders den Bewerberinnen und Bewerbern um einen Platz im Deutschen Bundestag bewußt zu machen, ist jugendpolitisches Handeln und praktizierte Interessenvertretung im Sport.

1. Bessere Lebens- und Bewegungssituationen

„Straßenkinder" in deutschen Großstädten, steigende Kinderprostitution und eine Zunahme der Beschaffungskriminalität bereits im Kinderalter sind Beweise dafür, daß die gesellschaftliche Krise die junge Generation erreicht hat. Als Ursachen dieser Entwicklung sind der fortschreitende Sozialabbau und die Entsolidarisierung in der Gesellschaft längst ausgemacht.

Kinder und Jugendliche, deren soziale Absicherung wegen der Arbeitslosigkeit der Eltern längerfristig stark gefährdet ist, erkranken, verlassen die Schulen und verlieren damit ein Stück Lebensperspektive.

Da das Abrutschen in die Armut fast immer mit einer Reduzierung der gesundheitlichen Vorsorge, mit Wohnungsnot, sozialer Isolierung und Ausgrenzung zu tun hat, gehören Lebens- und Bewegungssitutationen zusammen.

Beides insgesamt - aber vor allem für benachteiligte Kinder und Jugendliche - deutlich zu verbessern, ist deshalb eine sehr wichtige gesellschaftliche Herausforderung.

Deshalb fordert die Deutsche Sportjugend für alle Kinder und Jugendlichen

  • sozial abgesicherte Lebensperspektiven,
  • die notwendige gesundheitliche Versorgung.
  • familiengerechte Wohnungen,
  • eine Stadtplanung, die entsprechende Spiel- und Bewegungsräume vorsieht und diese Räume zeitgleich mit dem Bau neuer Wohnquartiere schafft,
  • die Förderung von jugendpädagogisch geeigneten, gewaltpräventiven Maßnahmen in allen Erziehungseinrichtungen und die Förderung von Modellmaßnahmen zur Umsetzung dieser Forderungen,
  • den Ausbau von Spiel- und Bewegungsräumen in Kindergärten, Kindertagesstätten und Horten sowie im wohnungsnahen Umfeld,
  • den weiterhin kostenfreien Zugang zu allen öffentlichen Spiel- und Sportanlagen sowie die bedarfsgerechte und gebührenfreie Bereitstellung von Spiel- und Sportstätten speziell für die sportliche Jugendarbeit,
  • die Förderung gesundheitspräventiver Maßnahmen.

2. Zeitgemäße und bedarfsorientierte schulische und berufliche Bildung

In ihrem Symposium „Zukunftsinvestition Jugend" hat die „Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftliche Forschung und Weiterbildung" im April 1998 festgestellt, daß die bürgerliche Gesellschaft dabei ist, einen erheblichen Teil ihrer jungen Menschen in die Perspektiviosigkeit, in Krankheit, Drogen und Kriminalität zu verlieren. Der extreme Anstieg der Verdächtigenziffern bei Jugendlichen um 200,8 % wird dabei primär als Ergebnis wachsender Perspektivlosigkeit gesehen und in Verbindung gebracht mit der Verdopplung der Arbeitslosenquote unter Jugendlichen seit Anfang der 90er Jahre.

Da kriminelle Gewalt Jugendlicher erfahrungsgemäß vor allem zu Lasten Gleichaltriger geht, reichen partielle Anstrengungen allein nicht. Eine zeitgemäße und bedarfsorientierte schulische und berufliche Bildung für alle Jugendlichen ist als ein wichtiger Schritt gefordert.

Deshalb fordert die Deutsche Sportjugend für alle Kinder und Jugendlichen

  • ausreichende Bewegungs- und Spielangebote in allen Bereichen der Elementarerziehung,
  • Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen im Schul- und Berufsbildungssystem,
  • vermehrte Anstrengungen zur altersgemäßen Integration von Kindern und Jugendlichen ausländischer Herkunft und Aussiedlern in das schulische und berufliche Bildungssystem,
  • gezielte Sonderförderung von berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen zur Beseitigung der Jugendarbeitslosigkeit unter Berücksichtigung von motivierenden Spiel- und Sportangeboten,
  • Sicherstellung von qualifizierten und ausreichenden Spiel- und Sportangeboten im schulunterrichtlichen Fächerkanon als auch außerhalb des Sportunterrichts in allen Schultypen - einschließlich der Berufsschulen,
  • Förderung von Kooperationsvorhaben zwischen allen Schultypen und Sportvereinen.

3. Anerkennung und Förderung sportlicher Jugend- und Sozialarbeit

Während die Anzahl der im Sport organisierten Kinder und Jugendlichen abhängig von Sportart und jugendkulturellen Trends sinkt oder steigt, erfreut sich das Medium Sport bei Kindern und Jugendlichen insgesamt weiterhin allergrößter Beliebtheit. Dieser seit Jahren unveränderte Trend läßt sich einerseits mit der Wandlungsfähigkeit des Mediums Sport erklären. Er setzt aber auch die Wandlungsfähigkeit von Sportstrukturen und Spiel- und Sportanlagen ebenso voraus wie eine kontinuierliche Aus- und Fortbildung von ehren- und hauptamtlich tätigen Entwicklern und Vermittlern.

Da die Begleitung und Gestaltung dieser ständigen Veränderungen kontinuierliche Personalstrukturen und ein sehr hohes ehrenamtliches Engagement in den bundeszentralen Jugendsportorganisationen voraussetzen, ist eine entsprechende langfristige Förderung weiterhin unabdingbar.

Deshalb fordert die Deutsche Sportjugend für alle Kinder und Jugendlichen

  • die berechtigten Ansprüche vieler Jugendlicher an gesellschaftlicher Mitgestaltung und Verwirklichung der individuellen Lebensperspektiven, vor allem der Mädchen und jungen Frauen, anzuerkennen und zu unterstützen,
  • die ungekürzte Fortsetzung der Förderung der Kinder- und Jugendarbeit im Sport aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes,
  • die Förderung von allen sportbezogenen Bildungsmaßnahmen einschließlich der jugendpolitischen, sozialen, kulturellen und internationalen Bildung,
  • die vorrangige Verbesserung der immer noch völlig unzureichenden Spiel-, Sport- und Freizeitstätten- Situation in den neuen Bundesländern,
  • die Anerkennung und Stärkung der Ehrenamtlichkeit in der Jugendarbeit im Sport auch durch eine Vereinheitlichung und Verbesserung aller gesetzlichen Regelungen für Sonder- und Bildungsurlaub einschließlich beruflicher Freistellung im Sinne einer Förderung des ehrenamtlichen Engagements,
  • die dauerhafte Förderung der Koordinierungsstelle Fan-Projekte bei der Deutschen Sportjugend.

Da das Medium Sport nachweislich zur Integration von Kindern und Jugendlichen ausländischer Herkunft sowie Spätaussiedlern besonders geeignet ist, fordern wir,

  • eine weitergehende finanzielle, aber auch geeignete personelle Förderung für derartige Maßnahmen und Angebote in Vereinen und Verbänden des Sports,
  • die Förderung aller Maßnahmen zum Abbau von Fremdenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft sowie
  • die Erleichterung der Einbürgerung junger Ausländerinnen und Ausländer als Beitrag zu deren Integration.

4. Internationale- und Entwicklungszusammenarbeit

Der Sport ist ein wichtiger Teil im Gesamtspektrum des internationalen Jugendaustausches und der Begegnung zwischen Menschen der unterschiedlichsten Herkunft, Kultur, Rasse und Religion. Als Medium des vorurteilsfreien Kennenlernens der Jugend untereinander und der längerfristigen Zusammenarbeit hat es sich vor allem nach dem 2. Weltkrieg in der sogenannten westlichen Welt und teilweise in der Entwicklungszusammenarbeit bewährt. Durch die Beendigung des Ost-West-Konfliktes und entsprechende weltweite Auswirkungen sind neue und damit zusätzliche Herausforderungen bezüglich Kontakten und Strukturhilfen in den mittel- und osteuropäischen Staaten, in den sogenannten Schwellen- und Entwicklungsländern und durch eine kinderspezifische Verarmung als Folgen der weltweiten Globalisierung und Polarisierung zwischen Reichen und Armen festzustellen.

Wenn aus den Jugendstrukturen des Sports heraus sowohl die bewährten bilateralen Kontakte beibehalten und die zusätzlichen Herausforderungen angenommen, modellhaft erprobt und in geeigneter Weise multipliziert werden sollen, dann ist diese Form der Mitgestaltung der Friedens - und Verständigungspolitik - auch im Einklang mit den Einigungsbemühungen vor allem in Europa - nur mit einer entsprechenden öffentlichen Förderung zu leisten.

Deshalb fordert die Deutsche Sportjugend für alle Kinder und Jugendlichen

  • die finanzielle Grundsicherung für die internationale Jugendarbeit im Sport, sowie eine ausreichende Förderung internationaler Jugendbegegnungsmaßnahmen als Friedensarbeit und zur Unterstützung des interkulturellen Verständigungsprozesses,
  • die weitere Förderung der fachlichen Aus- und Weiterbildungsarbeit für ehren- und hauptamtliche Fachkräfte der internationalen Jugendpolitik und Jugendarbeit als Grundlage gesamteuropäischer und weltweiter Zusammenarbeit und Kooperationsbefähigung,
  • die inhaltliche Qualifizierung der bundesdeutschen Entwicklungshilfe als Beitrag zur Sicherung des Friedens durch einen angemessenen ideellen und materiellen Beitrag zu einer menschenwürdigen dauerhaften Entwicklung und zum wirtschaftlichen Ausgleich zwischen armen und reichen Staaten der Welt. Konzentration auf Projekte zur Stärkung der Eigenständigkeit von Nicht-Regierungs- und Basisorganisationen im Sinne der „Hilfe zur Selbsthilfe",
  • einen Beitrag zur Absicherung der elementaren Grundversorgung mit Nahrung, Trinkwasser und gesundheitserhaltenden bzw. gesundheitsfördernden Leistungen,
  • einen politischen Beitrag in den Weltorganisationen für mehr Humanitätund Gerechtigkeit,
  • die Beendigung bzw. Verhinderung von kriegerischen Auseinandersetzungen und Vertreibung und damit eine starke Reduzierung der Ursachen der Flüchtlingsprobleme und Asylerwartungen.

Vorstand der Deutschen Sportjugend


Impressum DSJ-FORUM

Herausgeber: Deutsche Schachjugend
http://Deutsche-Schachjugend.de/
Verlag: JugendSchachVerlag, Partner der Deutschen Schachjugend
Redaktionsanschrift: Geschäftsstelle Deutsche Schachjugend, Jörg Schulz, Hanns-Braun-Str. Friesenhaus I, 14053 Berlin.

Das DSJ-FORUM ist das Informationsblatt der Deutschen Schachjugend. Es erscheint 10 mal im Jahr als Beilage der Zeitung JUGENDSCHACH.
DSJ-FORUM wird gefördert aus Bundesmitteln des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

* * *

Zum Anfang des Dokumentes
Zurück zu Deutsche Schachjugend
Zu Deutsche Schachorganisationen

Archiv | Antwort zu häufig gestellten Fragen (FAQs) | Suchfunktion | Impressum
© 1.98 by Gerhard Hund (TeleSchach) für die DSJ in der Deutschen Sportjugend | Update 18.11.2001