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Chessy

DSJ - FORUM
Ausgabe 1998 - 09

Stell Dir vor, es ist Schachturnier und keiner geht hin!

Seit 1995 stellte die Strategiekommission des DSB das deutsche Schach auf den Prüfstand und entwickelte Grundzüge einer zielgruppenspezifischen Marketing- Konzeption für Schach, die vom Kongreß des Deutschen Schachbundes 1998 verabschiedet wurde.

Die Strategiekommission verständigte sich schnell auf zwei besonders wichtige Zielgruppen, für die am Angebot gearbeitet werden muß: Die Gruppe der Kinder und Jugendlichen von 8 bis 18 Jahre und die Jugendlichen im Übergang beziehungsweise Junioren von 18 bis 25 Jahre.

Im Kinder und Jugendbereich müssen neue Akzente gesetzt werden, nur über eine aktive Kinder- und Jugendarbeit kann der Verband lebendig am Leben gehalten werden. Darauf verständigte man sich schnell.

Nur was ist nun zu tun?

Der Strategiekommission war wichtig zu verdeutlichen, daß man nicht den einfachen Weg gehen darf, einfach nur neue Angebote zu entwickeln in der Hoffnung, dadurch die Mitgliederzahlen steigern zu können. So ist ja auch von der kürzlich tagenden Herbsttagung schnell der Gedanke verworfen worden, die Zielgruppe der Junioren kann mit einer neuen Juniorenmeisterschaft gewonnen werden. Das alleine reicht nicht mehr!

Statt dessen muß die Organisation an die ganz schwere Frage heran, inwieweit sich nicht vielleicht auch das Schachspiel, inwieweit das Schachangebot verändert werden muß?

Die Jugendkultur des Jahres 1998 ist nicht mehr die von 1978. Wir bieten mit dem Schachsport den Jugendlichen ein Angebot der Freizeitbeschäftigung. Wir sind von unserem Angebot überzeugt. Das hat aber oft eine Art Betriebsblindheit zur Folge. Denn eigentlich müssen wir immer aus dem Blickwinkel derer unser Angebot kritisch prüfen, für die wir das Angebot planen.

Wir bieten etwas an und die Jugendlichen entscheiden, ob sie es annehmen.

Allerdings entscheiden die Jugendlichen nicht frei über unser Angebot, vielmehr befinden sie sich in einem Geflecht von Mitentscheidern,

Natürlich heißt dies nicht, wir müssen uns verbiegen, ein vollkommen anderes Schachangebot erfinden, nur um zu gefallen. Da müssen auch Kompromisse getroffen werden.

Um das aber entscheiden zu können, muß als erstes der Blickwinkel des Empfängers, Kunden von uns erforscht werden, dann im nächsten Schritt das Angebot von uns überprüft werden und im dritten Schritt muß versucht werden, mit dem Angebot soweit wie möglich den Wünschen des Kunden entgegenzukommen.

Das ist ein komplizierter, steiniger Weg, denn man muß bereit sein, sich von gewohnten Sichtweisen zu trennen, manch Überkommenes über Bord werfen können.

Die Landesverbände sind aufgefordert, sich auf allen Ebenen dieser Aufgabe zu stellen. Bis Ende 1998 soll in den Gremien das vorliegende Marketing-Konzept diskutiert werden, soll entschieden werden, welche Ebene ab Januar 1999 welche Themen bearbeitet.

Auf der Herbsttagung der Deutschen Schachjugend führte Prof. Dr. Günter (Mitglied der Strategiekommission) die Landesschachjugenden in den Stand der Überlegungen ein und in drei Arbeitsgruppen wurde ansatzweise schon versucht, das Angebot Schach kritisch zu durchleuchten.

Eine Gruppe nahm sich ausschnittsweise den Spielbetrieb vor und warf folgende Fragen auf, auf die nun Antworten gegeben werden müssen:

Hinter den Fragen steht die Vermutung, daß man mehr Jugendliche ansprechen kann, wenn flexiblere Möglichkeiten der Teilnahme bestehen, man zum Beispiel bei Turnieren nur zeitweise teilzunehmen braucht (freies Ein- und Aussteigen bei einem Wochenendturnier), man auch Quereinsteigern bei Mannschaftskämpfen eine Mitmachmöglichkeit einräumt, man über die Zusammenlegungen von Spieltermine bei Mannschaftskämpfen an Wochenenden diese spannender, eventmäßiger gestalten kann.

Eine andere Arbeitsgruppe nahm sich den Schulschachbereich vor, eine andere beschäftigte sich mit Ideen zur Umsetzung. Darüber mehr im nächsten FORUM.

Jörg Schulz


Parick Wiebe im Vorstand der Deutschen Sportjugend

Ein Interview

Erstmals hat ein Vertreter der Deutschen Schachjugend den Sprung in den Vorstand der Deutschen Sportjugend geschafft. FORUM 8/98 berichtete darüber. Was treibt Patrick an, warum unterzieht er sich der Aufgabe, was ist die Deutsche Sportjugend, welche Aufgaben hat er zu erledigen?

FORUM hat nachgefragt :

FORUM : Du bist auf der diesjährigen Vollversammlung der Deutschen Sportjugend für zwei Jahre in den Vorstand gewählt worden. Wer und was ist diese Deutsche Sportjugend?

Patrick Wiebe : Die Deutsche Sportjugend (dsj) ist der Dachverband aller organisierten Jugendlichen der Sportverbände in Deutschland. In ihr sind insgesamt 86.000 Vereine mit fast neun Millionen Kindern und Jugendlichen zusammengeschlossen. 23.000 davon spielen Schach innerhalb der Deutschen Schachjugend. Durch den Zusammenschluß aller Verbände soll eine stärkere Interessensvertretung gegenüber der Regierung und den anderen gesellschaftlichen Gruppen gesichert werden. Der Vorstand trifft daher vor allem politische Entscheidungen, um den Jugendsport in Deutschland zu sichern.

FORUM :Wichtige Entscheidungen auf allen Ebenen werden in aller Regel von Erwachsenen, sogenannten gestandenen Persönlichkeiten getroffen. Wie kommt ein 21järhiger in den Vorstand der Deutschen Sportjugend?

Patrick Wiebe :Genau wie in der Deutschen Schachjugend hat die dsj in ihren Ordnungen festgeschrieben, daß ein Mitglied des siebenköpfigen Vorstandes unter 23 Jahren sein muß. Dadurch will man erreichen, daß der Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen nicht ganz verloren geht. Der Vertreter der Jugendlichen übt sozusagen so eine Art Kontrollfunktion aus, man hat darauf zu achten, daß die Diskussionen und Entscheidungen sich nicht entfernen von der Gedankenwelt der Jugendlichen, zu der man selbst noch einen besseren Draht hat. Da kommt auf einen alleine natürlich eine große Aufgabe zu, weshalb auch ein insgesamt jüngerer Vorstand für jede Jugendorganisation wünschenswert wäre.

FORUM :Und gewählt wirst Du allerdings doch von Erwachsenen?

Patrick Wiebe :Ein Drittel aller Vertreter auf der Jugendvollversammlung müssen auch diese Altersgrenze unterschreiten und bestimmen unter sich ihren Vertreter, der dann von der gesamten Versammlung bestätigt wird.

FORUM :Und warum nun gerade Patrick Wiebe?

Patrick Wiebe :Ich habe in den letzten Jahren als Bundesjugendsprecher der Schachjugend regelmäßig an den Seminaren der Deutschen Sportjugend teilgenommen und mich dort immer in die Diskussionen eingebracht, so wie ich es auch in der Schachjugend tue. Meine Amtsvorgängerin Kathleen Ludwig hat mich dann als ihre Nachfolgerin vorgeschlagen, und da unterdessen viele mein Gesicht kannten, konnte ich mich gar nicht mehr so richtig gegen die Wahl wehren.

FORUM :Also eine Wahl wider Willen?

Patrick Wiebe :Nein, mich hat diese Aufgabe schon gereizt. Ich habe mich immer schon engagiert, auch schon kommunal in Bad Schwartau, wo ich aufgewachsen bin. Zudem glaube ich, daß wir in der Schachjugend durch die letztjährigen Aktivitäten im Jugendsprecherbereich auf den richtigen Weg der Jugendbeteiligung sind und die dsj in diesem Bereich enormen Nachholbedarf besitzt. Da möchte ich nun unsere Erfahrungen der Schachjugend einbringen. Allerdings muß ich auch ehrlich zugeben, daß für mich durch diese zusätzliche Funktion kaum noch eine freie Minute übrig bleibt, und ich deshalb schon gezögert hatte.

FORUM :Du hast von der Beteiligung Jugendlicher gesprochen. Welche Aufgaben hast Du Dir für die zwei Jahre bis zur nächsten Jugendvollversammlung der dsj gesetzt?

Patrick Wiebe :Ein wichtiger Bereich ist sicherlich die Vertretung der Interessen von Kindern und Jugendlichen, was in Absprache mit den jungen Ehrenamtlern aus den Mitgliedsorganisationen geschieht, zum Beispiel auf den Seminaren der dsj für Jugendsprecher. In der dsj gibt es jedoch nicht so etwas wie den Posten des Jugendsprechers. Genau wie die anderen Vorstandskollegen werde ich auf unserer ersten Sitzung, auf der wir unser Programm abstecken, Aufgaben übertragen bekommen. Ich würde gerne das Projekt „Soziales Talent“ vorantreiben, eine Zusammenarbeit mit den Landesschülervertretungen und Jugendorganisationen der Parteien aufbauen und natürlich auch neue Wege in der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen gehen. Beteiligung kann und darf nicht länger nur unter den Bedingungen der Erwachsenen erfolgen. Die Ideen müssen vorab natürlich mit meinen Kollegen abgestimmt werden.

FORUM :Da hast Du Dir viel vorgenommen. Was steckt eigentlich hinter dem Projekt „Soziales Talent“ und wie willst Du all das durchsetzen?

Patrick Wiebe :Bisher ist der Sport vor allem dafür bekannt, daß er die Bewegungstalente fördert und unterstützt mit all den negativen Begleiterscheinungen, die der Spitzensport mit sich bringen kann. Die enormen ehrenamtlichen Leistungen die Jugendsprecher, Jugendleiter und Jugendwarte jeden Tag leisten, werden in der Gesellschaft viel zu wenig beachtet und gewürdigt. Durch das Projekt sollen die Scheinwerfer genau auf diese Zielgruppe gerichtet werden. Mit der Unterstützung möglichst vieler jugendlicher Funktionsträger hoffe ich, diese Pläne verwirklichen zu können.

FORUM :Du warst in den letzten Jahren ein Aktivposten der DSJ. Die Zeit ist jetzt vorbei - oder?

Patrick Wiebe :Nein ich hoffe nicht. Ich möchte mich auch weiter in der Schachjugend engagieren. Noch bin ich ja Bundesjugendsprecher und werde dieses Amt erst auf der nächsten Jugendversammlung abgeben. In vielen Arbeitskreisen und Ausschüssen werde ich aber trotzdem weiter mitarbeiten, zum Beispiel im Bereich allgemeine Jugendarbeit, Marketing etc. Zudem hoffe ich, daß mich der Vorstand der DSJ an seinen Sitzungen weiter teilnehmen läßt, damit ich die Bindung an die Mitgliedsorganisation nicht verliere.

FORUM :Aber für das Schachspiel selbst wirst Du keine Zeit mehr haben.

Patrick Wiebe :Oh doch natürlich, einmal Schachspieler immer Schachspieler! Ich werde mich weiter für meinen jetzigen Verein Meerbauer Kiel ans Brett setzen und hoffe noch so manche Partie gewinnen zu können!

FORUM :Nicht nur dabei wünschen wir Dir viel Erfolg. Vor allem wünschen wir Dir die nötige Durchsetzungskraft im Vorstand der dsj!

Interview Jörg Schulz


Den König Schützen

Vom 30. Oktober bis zum 01. November fand das dritte Jugendsprecherseminar dieses Jahres statt - ein passendes Highlight zum Ende des Jahres, handelte es sich doch hierbei um ein Novum in der bis jetzt noch sehr jungen Geschichte solcher Seminare. Durch eine Kooperationsmaßnahme der Deutschen Schachjugend und der Deutschen Schützenjugend sollten zum einen beide Verbände sich näher kennenlernen und zum anderen sollten durch die Zusammenarbeit positive Anstöße für weitere Aufgaben gefunden werden.

Rund dreißig Schützen und Schachspieler trafen im Wiesbadener Bundesleistungszentrum der Schützen zusammen, um gemeinsam ihre Kenntnisse über den Aufbau und die Organisation der Deutschen Sportjugend aufzufrischen.

Leichte organisatorische Engpässe bescherten den Teilnehmern außer Frau Nüssler (Redaktion Olympische Jugend) noch ein weiterer Referent, der den Samstagvormittag mit einem Vortrag über das Internet füllen sollte. Herr Seibert von der Firma Homepage-Design Seibert verstand es, die versammelten Jugendlichen zweieinhalb Stunden lang zu fesseln, während Frau Nüssler im Bereich Spannung und Motivation doch mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte.

Die Gelegenheit des Seminars wurde dann von beiden Verbänden genutzt, dem jeweils anderen den eigenen Sport vorzustellen, und während die Schützen sich an dem in Hamburg entwickelten Minischach schon teilweise recht erfolgreich versuchten, nahmen die Schachspieler die Gewehre, Pistolen und Bögen in die Hand, um ins Schwarze zu treffen und waren ebenfalls relativ treffsicher. Für beide Seiten war dies sicherlich eine interessante Erfahrung, die zwar nicht von allen wahr-, doch von den meisten mit viel Spaß angenommen wurde.

So war der Freitag- und der erste Teil des Samstagabends schon mit diesem sportlichen Vergleichskampf ausgefüllt, doch traditionell ließen sich es die Jugendlichen nicht nehmen, den zweiten Teil des Samstagabend für einen Ausflug in die Wiesbadener Innenstadt zu nutzen.

Aufbruchstimmung beherrschte den Sonntagvormittag, doch für einen Erfahrungs- und Informationsaustausch zwischen den Jugendsprechern reichte die Zeit noch, und so wurden sicherlich wieder einmal viele neue Ideen und Anregungen mit in die heimatlichen Gefilde genommen.

Jan Pohl


Termine

Das nächste Seminar der DSJ für Jugendsprecher findet vom 26.-28. Februar 1999 in Hamburg statt.

Am 15./16. Januar 1999 treffen sich alle Landesbeauftragte für die Umsetzung der Marketingkonzeption und legen die kommenden ArbeitsschrItte und Themen fest, die zu bearbeiten sind.

Im April 1999 wird die DSJ alle Interessierten zu einer Zukunftswerkstatt der DSJ einladen, auf der wir uns intensiv mit dem Thema Marketingkonzeption beschäftigen werden und Lösungen auf die in diesem FORUM angerissenen Fragen suchen werden.


Impressum DSJ-FORUM

Herausgeber: Deutsche Schachjugend
http://Deutsche-Schachjugend.de/
Verlag: JugendSchachVerlag, Partner der Deutschen Schachjugend
Redaktionsanschrift: Geschäftsstelle Deutsche Schachjugend, Jörg Schulz, Hanns-Braun-Str. Friesenhaus I, 14053 Berlin.

Das DSJ-FORUM ist das Informationsblatt der Deutschen Schachjugend. Es erscheint 10 mal im Jahr als Beilage der Zeitung JUGENDSCHACH.
DSJ-FORUM wird gefördert aus Bundesmitteln des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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© 1.98 by Gerhard Hund (TeleSchach) für die DSJ in der Deutschen Sportjugend | Update 18.11.2001