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Chessy

Deutsche Einzelmeisterschaften U10 bis U18 m + w
in Oberhof, 22.05. - 30.05.99

Teilnehmer, Fotos, Berichte, Sieger, Tabellen, Blitzturniere
und sämtliche 1814 Partien im PGN-Format

U-10 , U-12 , U-14 , U-14w , U-16 , U-16w , U-18 und U-18w
Fortschrittstabellen und Fotos der Sieger sind über obige Links abrufbar.


Turnierbericht von Norbert Lukas

Deutsche Einzelmeisterschaften U10-U18w: 23.-29.05.1999

Die Deutschen Einzelmeisterschaften fanden erstmals in den neuen, international üblichen Altersklassen statt. Gleichzeitig wurden die Meisterschaften auf Pfingsten vorgezogen, um den Top-Spielern die Chance zur EM-, WM-Teilnahme noch im selben Jahr zu ermöglichen.

Als Veranstaltungsort diente wie im Vorjahr das Euromillhotel in Oberhof (Thüringen), wo auch fast alle Spieler, Eltern und Funktionäre wohnten. Gegenüber dem Vorjahr wurden die Bedingungen sehr verbessert, so daß alle von einer gelungenen Großveranstaltung sprachen. Ursache hierfür waren zum einen die durchgeführten Renovierungsarbeiten im Hotel, welches ausschließlich durch Schachspieler belegt war. Zum anderen aber auch das ausgezeichnete Freizeitprogramm, welches Boris Bruhn und André van de Velde mit vielen Helfern auf die Beine stellten. Eine tägliche DEM-Zeitung (Franziska Seel, Christian Warnecke), das tägliche Rundenbulletin (Felix Kleinschmidt mit Helfern), gelbe Trikots für die Führenden ab Runde 5, das DSJ-Maskottchen Chessy und das super Wetter taten ein übriges dazu.

Ach ja: Schach gespielt wurde auch noch...

Bei der U10 setzte sich der große DWZ-Favorit, Atila Figura, durch. Dabei war er allerdings auf Schützenhilfe angewiesen, denn am 4. Tag holte er nur einen halben Zähler gegen Falko Bindrich. Anschließend verlor er gegen Raiko Siebarth, seines Zeichens inoffizieller Deutscher Meister der U9 1998! In den nächsten beiden Runden schlug Raiko sogar auch den Zweiten und Dritten der Abschlußtabelle. Ein Platz auf dem Treppchen war ihm dennoch nicht vergönnt, denn in den zwei Schlußrunden unterlag er jeweils und mußte so die zuvor Geschlagenen wieder an sich vorbeiziehen lassen. Attila ließ sich seine zweite Chance nicht entgehen und gewann sicher den Rest der Partien und damit den Titel. Auf den zweiten Platz kam Falko Bindrich, der im nächsten Jahr sicher mit zu den Titelanwärtern zählt, darf er doch noch ein Jahr in der U10 starten.

Spannung pur versprach die letzte Runde bei der Mädchenwertung, bei der die Beste auch erstmals offiziell den Titel Deutsche Meisterin U10 erhielt: Gleich fünf Spielerinnen lagen punktgleich mit 6,0 Punkten in Front! Das glückliche Ende hatte hier Ekaterina Jussopow (ja, die Tochter des Großmeisters) für sich. Lediglich einen halben Zähler hätte sie mit ihrer DWZ von 459 holen müssen, doch gleich 7,0 wurden es; bei einer Turnierleistung von 1138. Also, ein Trost für all diejenigen, die sich immer über ihre zu niedrige DWZ ärgern: DWZ will besonders bei U10 und U12 nicht viel heißen. Von Ekaterina darf man sicher noch viel erwarten, auch auf internationaler Bühne! Man darf nicht vergessen, daß sie noch zwei Jahre in der U10 mitwirken darf.

Besonders im nächsten Jahr werden aber die nächstplacierten Mädchen sich auf eine Revanche freuen, denn sie dürfen ebenfalls noch mindestens einmal in der U10 starten: Larissa Erben, Jg. 90, sicherte durch einen Schlußsieg die Vize-Meisterschaft. Glück im Unglück hatte Saskia Ziskeli, Jg. 90, die zwar in Führung liegend zum Abschluß zwei Mal verlor, doch wenigstens den Platz auf dem Treppchen hielt. Die größte Überraschung gelang meines Erachtens Diana Wassilian, Jg. 91, die vor Ort ins Feld rutschte und mit 6,0 Punkten den ausgezeichneten vierten Platz belegte. Die inoffizielle Deutsche Meisterin U9 1998, Viktoria Lazareva, konnte nicht an ihren Vorjahreserfolg anknüpfen und wurde mit 5,0 Punkten nur 66. und damit 14. der Mädchenwertung.

Zum Pechvogel der U12 avancierte Torsten Rohde, der mit 5,5 aus 6 schon aussichtsreich vorne lag. Die folgende Schwächeperiode, 0,5 aus 3, beraubte ihm am Ende aber sogar einen Platz unter den ersten Drei. Am Ende mußte sich die Feinwertung zwischen dem führenden Trio trennen. Schade übrigens, daß es kein direktes Duell dieser Drei gab (trotz elf Runden): Kai Christian Meyer, die Rangnummer 18 der Setzliste, hatte hier das größere Glück und wurde Deutscher Meister U12. Axel Heinz blieb zwar als einziger im Felde ungeschlagen, doch waren am Ende fünf Remis zu viel im Kampf um den Titel. Der U11-Meister 1997 und DWZ-Favorit, Arik Braun, mußte mit Rang 3 vorlieb nehmen.

Bei den Mädchen, gab es gleich vier Spielerinnen, die 6,5 Punkte erzielten. Glückliche, aber verdiente Siegerin wurde Sandra Krege, die lange oben mitspielte (mit 3:1 und 4:2 gestartet) und sicher die schwersten Gegner hatte. Die Nachfolgenden starteten mit je 3 aus 6 und konnten mit einem Schlußspurt gleichziehen. Die Buchholzwertung verwies dann aber Maria Schöne, Friederike Wolk und Olga Henneberg (Jg. 88) auf die Plätze 2 bis 4. Merkwürdig war der Verlauf von Helene Romakin: Nach drei Auftaktniederlagen stürmte sie mit fünf Siegen in Folge ins gelbe Trikot. Danach fiel sie aber mit nur noch einem Remis auf den 8. Mädchenplatz zurück.

Die gemeinsame Austragung der U10 und U12 in einem Saal hat sich bewährt, sind doch die Aufgaben der Schiedsrichter andere als bei den Routiniers der U14 bis U18. Aufgrund der Mammutfelder gibt es dort natürlich die größte Unruhe, doch so manches Mal mußte man leider die Eltern und Vereinsbetreuer zur Ordnung rufen. Müssen diese eigentlich ehrgeiziger als die Spieler selbst sein? Zeitprobleme gab es trotz verkürzter Bedenkzeit (max. Spieldauer vier Stunden) nur vereinzelt, wobei die U10 manches Mal schon an einen Sprintwettbewerb erinnerte, denn nicht selten waren nach 75 Minuten die Hälfte der Partien beendet...

Ruhiger und disziplinierter ging es da bei den Älteren zu. Viele Partien gingen in die zweite Hälfte und so manche wurde auch erst in der Schnellschachphase nach knapp sechs Stunden entschieden.

Einen verdienten, aber nicht sicheren Sieg konnte dabei bei der U14 der amtierende U13-Meister, Hannes Rau, einfahren. Mit 6,0 aus 7 gestartet, hatte er sich schon ein kleines Polster aufgebaut. Alexander Gasthofer konnte ihn dann aber bezwingen. Alexanders Erfolg im direkten Duell kam für ihn selbst zu spät, gab er doch schon vorher fünf Remis ab. Letztlich blieb ihm der Vizetitel und die Gewißheit, als einziger im U14-Felde ungeschlagen geblieben zu sein. Ärgerlich das Ende für Philipp Balcerak, der die Schützenhilfe bezüglich Hannes nicht nutzte. In der achten Runde mußte er ins Remis gegen Volker Seifert einwilligen und verpaßte so den Sprung an die Tabellenspitze. In der Schlußrunde nahm Seifert auch Hannes Rau ein Remis ab, doch Philipp kämpfte gegen Jörg Wegerle vergeblich um den Sieg, der ihm den Titel gebracht hätte. So blieb ihm "nur" die Wiederholung des letztjährigen Ergebnisses: Platz 3.

Sieben Spieler verfügen bereits über eine ELO-Zahl, so daß man sich entschloß, neben dem U16- und U18-Turnier auch das U14-Turnier zur ELO-Auswertung anzumelden. Mit Berechtigung wie sich herausstellte, denn Benjamin Ries (2065) und Michal Kaczmarek (2081) dürfen sich nun über eine ELO-Halbnorm freuen.

Ein Auf und Ab gab es bei der U14w zu verzeichnen. Nach vier Runden schien alles für Franziska Fey zu sprechen, hatte sie doch mit vier Erfolgen (darunter gegen die spätere Zweite und Dritte) bereits einen ganzen Zähler Vorsprung. Danach zog sie aber gegen Natalie Becker den kürzeren, die dann wiederum nur noch ein Remis erzielte. Von nun an entwickelte sich ein spannender Vierkampf, krönend dabei die zwei Schlußrunden:

Die beiden Führenden, Franziska Beltz und Franziska Fey, mußten gegen Sarah Brethauer bzw. Sonja Häcker, Niederlagen einstecken. Plötzlich war Sonja durch drei Siege in Folge in Führung, gefolgt von Dorothea Schuler. Doch auch sie zeigte Nerven und am Ende mußte sie sich Elvira Mass sogar geschlagen geben. Dorothea hingegen war wohl überrascht und ließ sich gegen Sarah Bretthauer auf eine Zugwiederholung ein. Franziska Beltz setzte sich durch einen Sprintsieg in 14 Zügen noch einmal an die Spitze, doch Franziska Fey schlug zurück. Mit einem sicher ausgespielten Sieg eroberte sie sich den wohl schon verloren geglaubten Titel. Franziska Beltz bleibt aber die Hoffnung, im nächsten Jahr im Kampf um den U14w-Titel zu bestehen.

Bei der U16 konnten gleich zwei Erfurter Spieler ungeschlagen bleiben. Thomas Pähtz jr., im Vorjahr bei der U15 noch von Leonid Kritz bezwungen, wurde dabei verdienter Meister, schlug er bei vier Remis immerhin doch auch den Dritten und Fünften. Ferenc Langheinrich wiederum erwies sich als zu friedfertig, gab er doch fünf Remis, gegen Thomas und gegen die Dritten bis Sechsten ab. Das es trotzdem zum Vizetitel reichte, hatte er am Ende seinem Schlußrundengegner zu verdanken: Christoph Eißing erspielte eine klare Remisstellung, reklamierte dieses aber in den letzten Sekunden seiner Bedenkzeit nicht ordnungsgemäß ein und verlor. Ein Protest gegen die Entscheidung des Schiedsrichters blieb auch beim Nationalen Spielleiter und beim Turnierschiedsgericht ohne Erfolg.

Leidtragender Dritter, im wahrsten Sinne des Wortes, war Christian Seel, der sich aber mit seiner ELO-Halbnorm (2181 aus 7 Partien) über den entgangenen Vizetitel etwas hinweg getröstet haben dürfte. Julian Zimmermann erspielte sich im neunrundigen Schweizer System-Turnier sogar eine volle ELO-Zahl von 2196. Eine ELO-Halbnorm schaffte auch Hermann Tydecks (2069 aus 5 Partien).

Bei der U16w wurde die U15w-Tabelle des Vorjahres mächtig durcheinander gewirbelt. So landeten die ersten Vier des Vorjahres (Leonie Helm, Irena Fliter, Carolin Umpfenbach, Corinna Lange) dieses Mal nur auf den Plätzen 4, 9, 13 und 12.

Einen Traumstart legte Stefanie Schulte hin: Zunächst zwei erwartete Auftaktsiege, dann Erfolge gegen Umpfenbach und Helm. Nach dem Remis gegen Tina Mietzner durfte sie eigentlich auf den Titel hoffen, doch sie wurde schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Elisabeth Schloßberg zog durch einen Sieg im direkten Duell gleich, doch auch Tina Mietzner, Leonie Helm und Christiane Gorka schlossen auf. Die anschließende Niederlage gegen Kerstin Bauer warf sie endgültig zurück.

Ebenso schied Leonie nach der Niederlage gegen Christiane aus dem Titelrennen aus. Die Entscheidung fiel dann in Runde 8: Während Tina erneut gewann, trennten sich Elisabeth und Christiane Remis. Aufgrund der beseren Feinwertung genügte Tina Mietzner in der Schlußrunde gegen Marina Görke ein Kurz-Remis. Schloßberg und Gorka blieben mit ihren Schlußerfolgen "nur" die Ehrenplätze.

Unter etwas anstrengenden Bedingungen hatte die U18 unter der souveränen Leitung von Holger Borchers zu kämpfen: Zum einen sorgte die Klimaanlage für eine gewisse Unruhe im Raum, zum anderen sorgte das Wetter dafür, daß diese eingeschaltet bleiben mußte. Um weitere unnötige Unruhe zu vermeiden, entschloß man sich, den direkten Weg zur Hotelhalle grundsätzlich verschlossen zu halten. Folge: Spieler und Zuschauer mußten alle bei der U10 usw. vorbei, um zur U18 zu gelangen.

Einen überzeugenden Sieg konnte Rainer Buhmann bei der U18 einfahren. Mit vier Auftaktsiegen hatte er bereits einen Punkt Vorsprung herausgespielt. Danach ließ er es gemütlicher angehen und begnügte sich mit fünf Remis, wovon aber keines unter 25 Züge war! Besondere Fairness bewies dabei in Runde 7 ausgerechnet der Zweite: Mit Turm und Springer gegen Turm bot Florian Grafl Rainer Remis an und bewahrte ihn so vor Fehlern bei der Remisreklamation nach FIDE-Artikel 10.2. Zwei Abschlußsiege brachten ihn so nur noch an Rainer heran, ohne ihn aber zu überholen.

Den dritten Platz sicherte sich Henning Schneider. Wohl etwas irritiert durch ihre Auftaktniederlage agierte WIM Elisabeth Pähtz. Nach Zwischenspurt, 3,5 aus 4, willigte sie vier Mal ins Remis ein. 5,5 aus 9 brachten ihr aber den fünften Platz, welches wieder bestätigt, daß sie bei Jungenturnieren sehr gut mithalten kann. Zur Erinnerung: Eigentlich hätte sie bei der DEM U14w starten können...

Bei der U18w erwartete man eigentlich aufgrund der letzten beiden U20w-Endrunden Maria Cleven weit oben, zumal Gundula David kurzfristig absagte. Doch es sollte anders kommen: Anna Stephan mußte sich bereits in der Auftaktrunde Helena Fiser geschlagen geben, die danach mächtig aufdrehte. Ihr gelangen danach Siege gegen Malin Klawonn, Anette Klein, ein Remis gegen Svetlana Polushkina und schließlich ein Sieg gegen Maria Cleven. Mit 4,5 aus 5 war die Nummer 16 der Setzliste in Führung! Danach war jedoch die Luft heraus, schade. Das erste Mal bezwungen wurde sie dabei in Runde 6 von der Nr. 21, Katja Guhr! Maria Cleven wiederum war wohl geschockt und verlor danach gleich gegen Malin Klawonn, ehe sie dann drei Mal remisierte.

Führende war nun Svetlana Polushkina nach ihrem Sieg gegen Anna Stephan mit 5,0 aus 6. Siege gegen Guhr und Heymann ließen auch keinen Zweifel mehr darüber aufkommen, wer Deutsche Meisterin werden würde. Ein Abschlußremis gegen Rebecca Ehret genügte ihr. Anna Stephan sicherte sich durch ein Remis den Vizetitel vor der sensationell Drittplacierten Katja Guhr. Herzlichen Glückwunsch.

Anm.: Anne Goldammer mußte leider wegen einem Trauerfall in der Familie nach der zweiten Runde aus dem Turnier aussteigen.

Wie im Vorjahr wurden auch wieder die Blitz-Champs der Deutschen Meisterschaften ermittelt. Gleich 62 Spieler gingen bei der U10 bis U12 an den Start. Sieger wurde mit dem Traumscore von 7 aus 7 Atila Figura vor Steffen Rachut und Kai Christian Meyer mit je 6,0. Bestes Mädchen wurde Sandra Krege mit 5,0 aus 7 als Siebte.

Bei den 25 Spielern der U14 bis U18 setzte sich nach neun Runden Hannes Rau mit 7,0 Punkten punktgleich vor IM Gerhard Schebler durch. Dritter wurde mit einem halben Zähler Rückstand Gregory Pitl. Bestes Mädchen wurde Kerstin Bauer vor Maria Hinzmann, Anna Stephan, Elisabeth Schloßberg mit je 4,0 Punkten.

Norbert Lukas
(Nationaler Spielleiter DSJ)

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© 1.98 by Gerhard Hund (TeleSchach) für die DSJ in der Deutschen Sportjugend | Update 25.11.2001